Ein Clown bestimmt den Unterricht

Pädagogik – In der Gustav-Werner-Schule steht zwei Stunden die Woche »Zirkus« auf dem Stundenplan

WALDDORFHÄSLACH. »Hereinspaziert«, ruft Rektor Ralf Röckel ins Publikum. Vorhang auf, Spot an, es gibt Zirkus, Musik und Theater. Und dann geht’s los. Über 30 Schülerinnen und Schüler stürmen auf die Bühne. Sie jonglieren, turnen, machen Späße als Clowns. Ein Jahr lang haben sie geübt, nicht nebenher, sondern mittendrin, im Unterricht. In der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach steht »Zirkus« seit 2005 auf dem Stundenplan. Zwei Stunden die Woche kommt der Zirkuspädagoge Roger Koch aus Pforzheim in den Unterricht und zeigt den Schülern, wie man jongliert, mit roter Nase lustig sein kann, und wie Akrobaten zu Menschenpyramiden werden.

Die Schule folgt damit dem neuen, ministeriellen Bildungsplan, der den Fächerverbund Musik-Sport-Gestalten (MSG) schuf. »Wir wollten diesen Fächerverbund mit Inhalt füllen und sind in der Zirkuspädagogik fündig geworden«, erklärt Röckel. Das Fach »Zirkus« ist nun für die Klassen fünf und sechs der Gustav-Werner-Schule verpflichtend.

Den Einstieg in das neue Unterrichtsfach wollte die Schule professionell gestalten. Deshalb wurde der freischaffende Künstler Roger Koch engagiert. Vermittelt hat ihn der Schultheaterreferent in Baden-Württemberg, Werner Jauch. Finanziert wird das Fach zu zwei Dritteln vom Tübinger Regierungspräsidium.

Warum nun gerade Zirkus? Jauch gibt die Antwort. Die Arbeit beweise, dass »Anstrengung, Leistung und lustvolles Tun kein Widerspruch sein müssen«. Die Zirkuspädagogik stärke durch die Erfolgserlebnisse die eigene Persönlichkeit und setze bei den Schülern ungeahnte Energien frei. Zudem schule das Projekt Teamfähigkeit, Zuverlässigkeit, Verantwortung, kreatives Handeln und stärke dadurch auch den Klassenverband.

Das konnte man am Mittwochabend auch in der Gemeindehalle in Walddorfhäslach sehen. Zum Abschluss des Schuljahres zeigten die »Zirkus«-Schüler, was sie alles gelernt haben und wie viel Spaß ihnen das Projekt bereitet. Die einzelnen Zirkusnummern, immer clownesk von Koch angekündigt, waren in eine kleine Story eingebettet, in der es um »Verbrechen aus Leidenschaft« ging. Clown Piko riss sich in der Geschichte die Theaterkasse unter den Nagel, um seiner angebeteten Elvira zu imponieren. Das muss schief gehen, aber Elvira bringt ihn zur Räson und verschafft so der fröhlichen Zirkus-Truppe ein Happy End.

Die Schüler erhielten viel Beifall. Für den musikalischen Auftakt des Abends hatten der Schulchor unter Leitung von Gudrun Schaal und die Flötenkinder und der Orff-Kreis von Ingeborg Seybold und Nicola Unger gesorgt. Unter den beeindruckten Gästen des Abends war neben Bürgermeisterin Silke Höflinger auch der SPD-Landtagsabgeordnete Rudolf Hausmann. (GEA)