Ute Vogt besucht die Gustav-Werner-Schule

Pädagogik – SPD-Politikerin Ute Vogt machte auf ihrer »Bildungsreise« durchs Land auch in Walddorfhäslach Station

Nachdenkenswertes mitgenommen
Die Landesvorsitzende der SPD, Ute Vogt, informierte sich in Walddorfhäslach über die gelungene Kooperation zwischen Hauptschule und Betrieben. Dabei besuchte sie auch den Schönbuchhof mit Viehwirtschaft und Biogas-Anlage.
Politiker geben sich in Walddorfhäslach die Klinke in die Hand. Diesmal war es Ute Vogt, die dem kleinen Unteramts-Ort, wo nach einem Schild an der B 27 die Zukunft beginnt, einen Besuch abstattete. Es ging um das Thema Hauptschule und Ausbildung. Die Spitzenpolitikerin der Landes-SPD hatte sich Walddorfhäslach ausgesucht, weil es dort eine Vorzeigehauptschule gibt, die in den letzten Jahren nahezu sämtliche Schulabgänger unterbringen konnte.
Drei Tage war Ute Vogt im Land unterwegs. Sie war in Mannheim und Freiburg, besuchte dort Ausbildungseinrichtungen und Unternehmen, »die bei der Ausbildung vorbildlich sind und damit auch gesellschaftliche Verantwortung beweisen«.

»Es ist beeindruckend, wie groß das persönliche Engagement ist«
Zum Abschluss ihrer Bildungs-Tour war Walddorfhäslach an der Reihe. Warum nun der Abstecher in die Provinz vor den Toren Stuttgarts? Während des Landtagswahlkampfs hatte Vogt bei einer Podiumsdiskussion in Reutlingen von der erfolgreichen Hauptschule in Walddorfhäslach gehört. Dies machte sie offensichtlich neugierig, weil gerade dieser Schultyp eigentlich im ganzen Bundesgebiet zu den Problemkindern zählt und in der Vergangenheit vielerorts für viele Negativ-Schlagzeilen gesorgt hat.
Am Donnerstag nannte sie auch gleich ein Beispiel, warum die Hauptschule den Politikern so viel Kopfzerbrechen bereitet. In Freiburg machte sie auf ihrer Tour ebenfalls in einer Hauptschule Station. Dort erfuhr sie, dass von 40 Schulabgängern lediglich vier eine feste Zusage für eine Lehrstelle haben. Doch Vogt ist überzeugt: Nicht die Hauptschulen sind schlecht, sondern die fehlenden beruflichen Perspektiven sind es, die den Schülerinnen und Schülern Schwierigkeiten bereiten.
Deshalb legte Vogt bei ihrer Bildungsreise auch ein besonderes Augenmerk auf das zweite Standbein der Ausbildung, auf die Unternehmen. In Walddorfhäslach besuchte die SPD-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag drei Ausbildungsbetriebe, die eng mit der Gustav-Werner-Schule zusammenarbeiten: das Bauunternehmen Knoblich, den Metall verarbeitenden Betrieb Wandel CNC Technik und den Schönbuchhof von Gemeinderat Gerhard Neuscheler.
Und sie informierte sich über die Kooperation zwischen Schule und Unternehmen. Was sie dabei erfuhr, hinterließ offensichtlich einen nachhaltigen Eindruck. »Es ist beeindruckend, wie vielseitig die Gemeinde und wie groß das persönliche Engagement hier ist.«

Und das Lob galt in diesem Fall vor allem auch der Gustav-Werner-Schule. Seit vier Jahren hat dort Rektor Ralf-Michael Röckel zusammen mit seinem Kollegium ein dichtes Netzwerk mit den Betrieben am Ort und in der Umgebung geknüpft. In Kooperation mit dem Gewerbeverein lud die Schule die Unternehmen zu einem Praxistag ein. »Viele sind gekommen«, erzählt Röckel.
Das Ergebnis: Die Schule kann nun ihren Schülern der 8. Klasse eine Vielzahl von Praktikumsplätzen anbieten. Und dies zahlt sich später aus, denn die Statistiken zeigen inzwischen, dass meistens nur die Hauptschüler später eine Lehrstelle finden, die vorher ein Praktikum durchlaufen haben.
Viel Nachdenkenswertes habe sie aus Walddorfhäslach mitgenommen, meinte Vogt am Ende ihres Besuches. Dazu gehöre auch, dass es nicht nur auf die Gesetze ankomme. Die Politiker könnten letztlich nur die Rahmenbedingungen schaffen, entscheidend sei, dass Menschen das Ganze mit Leben füllten. Und das sei in Walddorfhäslach gegeben. »Hier gibt es viele Lehrerinnen und Lehrer, die ihren Beruf mit Herzblut und Engagement ausüben«, erklärte Vogt.
In vielen anderen Schulen sei das noch nicht so. Dort müsse man noch zu einer anderen Einstellung kommen. Als Vorbild nannte sie Finnland. Dort gelte, wenn ein Schüler das Schulziel nicht erreicht habe, dass nicht der Schüler sondern die Schule versagt habe. Zu dieser Denkweise müssten viele Schulen in Deutschland erst noch finden. Wichtig sei allerdings auch, dass man die Schulen mit genügend Lehrkräften ausstatte.
In allen drei Betrieben, die die SPD-Landesvorsitzende am Donnerstag aufsuchte, arbeiten inzwischen Schulabgänger der Gustav-Werner-Schule. Dies sei das sichtbare Ergebnis der engen Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb, hob Röckel hervor.
Walddorfhäslachs Bürgermeisterin Silke Höflinger hatte Ute Vogt im Dorfgemeinschaftshaus in Häslach empfangen und ihr einen Einblick in die zukünftigen Aufgaben des Ortes verschafft. Dabei zeigte sich für die SPD-Politikerin, dass »seit es eine Bürgermeisterin hier gibt, eine richtige Dynamik durch die Gemeinde geht«. (Veit Müller/GEA)