Stockkampf als Schulprojekt

Escrima, die philippinische Stockkampfkunst als neuartiges Projekt an der Gustav-Werner-Schule: »Lernen ohne Fehler zu machen, ist nicht möglich«


Die Jungs und Mädchen wirbeln lange Stöcke um ihren Körper. Konzentriert beobachtet Bewegungspädagogin Pia André die Übungen. Dann gibt sie neue Anweisungen. Nun bilden die Schüler einen Kreis und schlagen mit ihren Stöcken in einem bestimmten Rhythmus auf die Hölzer des Gegenübers. Schlag, Abwehr, Schlag, Abwehr, beim fünften Mal klappt es so, wie es sich André vorstellt und alle sind zufrieden.
Es geht um Escrima, die philippinische Stockkampfkunst. Doch was hat der fernöstliche Kampfsport in einer Walddorfhäslacher Hauptschule zu suchen? Grischa Jauch, Sportlehrer an der Gustav-Werner-Schule, erklärt es. Es handelt sich um ein neues Projekt, dass den Jungs und Mädchen mehr Abwechslung in den grauen Schulalltag bringen soll. Sie lernen dabei, ihren Körper besser wahrzunehmen, erfahren ein besonderes Rhythmusgefühl, sie üben, wie man Vertrauen in sein Gegenüber gewinnt und sie können ihre Aggressionen auf sehr kontrollierte Art und Weise abbauen.
Bei einer Fortbildung im vergangenen Sommer hat Jauch die philippinische Stockkampfkunst kennen gelernt. Er war beeindruckt und dachte sich, das könnte auch etwas für seine Schüler sein. Er stieß bei der Schulleitung auf offene Ohren. Doch nicht nur dort. Auch bei der »Koordinierungsstelle Schultheater« des Tübinger Regierungspräsidiums zeigte man sich aufgeschlossen und finanzierte das neue Schulprojekt zu zwei Dritteln.
So konnte Jauch die Freiburger Bewegungspädagogin Pia André engagieren, die in dieser Woche drei Tage lang den Jungs und Mädchen aus der fünften und sechsten Klasse der Gustav-Werner-Schule den Stockkampf näher brachte. Was die Schüler gelernt haben, sollen sie später ihren Mitschülern und kommendes Jahr auch beim Kinderfest in Walddorfhäslach zeigen. Doch bis dahin müssen die 27 Schüler, die an dem Projekt teilnehmen, noch kräftig üben.
»Das ist schon ganz schön anstrengend«, sagt Jauch. Die Kinder müssen hoch konzentriert bei der Sache sein, damit nichts passiert. Disziplin ist gefragt, »es darf kein Quatsch gemacht werden«.
Doch das funktioniert sehr gut. Die Schüler sind mit Aufmerksamkeit und Enthusiasmus dabei. Und das ist wichtig: »Wir kommen schneller und effektiver ans Ziel, wenn wir mit Freude lernen«, erklärt André. Dabei hilft die richtige Einstellung. Und die kann man sich antrainieren.
Wenn die Kinder mit den Stöcken arbeiten, fällt immer mal wieder eins der Hölzer auf den Boden. Doch das macht nichts. »Ich darf Fehler machen«, sollen die Kinder sich sagen, denn »Lernen, ohne Fehler dabei zu machen, ist nicht möglich«. Es ist in Ordnung, wenn der Stock auf den Boden fällt. Kein Stress, keine Anspannung, kein Selbstvorwurf. Und beim Aufheben der Stöcke, gibt André vor, sollen sich die Schüler Zeit lassen, denn dadurch verschaffen sie sich den richtigen Überblick über die Situation, die um sie herum herrscht. Das hilft dann auch dabei, dass man nicht doch einmal einen Schlag abbekommt. (vit)