Kein Abschluss ohne Anschluss

Kultusminister Helmut Rau besuchte die Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach.

Da staunte Helmut Rau nicht schlecht. So viel freudigen Beifall hatte der baden-württembergische Kultusminister bei einem Abstecher in die Provinz wohl schon lange nicht mehr erhalten, wie jetzt bei seinem Besuch in der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach. Doch nicht nur der kindliche Applaus beeindruckte ihn, auch die Leistungen der Hauptschüler überzeugten ihn so sehr, dass er der Gustav-Werner-Schule »eine gute Perspektive für die Zukunft« zuschrieb.

Landauf, landab wird über den Fortbestand der Hauptschulen diskutiert. Erst kürzlich forderten 96 Hauptschulrektoren aus Oberschwaben und dem Bodenseekreis die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. »Hier gibt es keine Pädagogen-Rebellion, hier ist die Bildungswelt noch in Ordnung«, beruhigte deshalb Bürgermeisterin Silke Höflinger gleich zu Beginn den Kultusminister. Die Gustav-Werner-Schule sei das beste Beispiel für ein sehr gut funktionierendes Hauptschulsystem.

Und davon wollte sich Rau, der auf Vermittlung von Staatssekretär Dieter Hillebrand nach Walddorfhäslach gekommen war, am Montag selbst ein Bild machen. Beim Gang durchs Schulhaus zeigten ihm die Schüler, wie ihr Unterricht und ihre Zukunft aussieht. Die Siebtklässler berichteten Rau von ihrer bevorstehenden Sprachreise nach London und die Achtklässler von ihren Berufspraktika, für die die Schule über 80 Betriebe aus dem Ort und der näheren Umgebung gewinnen konnte.

Am meisten beeindruckte den Minister aber der Besuch der neunten Klasse. Dort erfuhr er von allen Schülerinnen und Schülern, dass sie nach dem Abschluss der Hauptschule nicht auf der Straße stehen werden. Alle setzen entweder ihre Schulausbildung fort oder haben eine Lehrstelle.

Das Motto »kein Abschluss ohne Anschluss« werde in Walddorfhäslach »vorbildlich realisiert«, kommentierte Rau die positiven Zukunftsaussichten der Hauptschüler. Auch das Netzwerk von Gewerbetreibenden, die den Schülern ein Praktikum ermöglichen, überzeugte den Kultusminister. Einer Sache steht er allerdings noch skeptisch gegenüber. Rektor Ralf Röckel würde gerne eine 10. Klasse installieren, um die Gustav-Werner-Schule zu einer Werkrealschule auszubauen.

Doch bisher sind die Schülerzahlen noch zu gering, »das gibt noch keine Klassengröße«, sagt Rau. Um eine realistische Perspektive auf eine Werkrealschule zu haben, brauche man ein Konzept, »das dazu führt, dass die Schule eine Bestandsgrundlage hat«. (GEA)