Kinder sind die ehrlichsten Kritiker

Wissenhungrige Zuhörer

Zwei Autoren aus der Region waren jetzt zu Gast in der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach.

»Kinder sind die ehrlichsten Kritiker«, sagt Autor Wilhelm Bleddin. Und schon im nächsten Augenblick stürmen die Kleinen in freudiger Erwartung ins Foyer der Gustav-Werner-Schule zur Vorlese-Stunde.
Übermäßig kritisch sind sie heute aber nicht. Im Gegenteil, sie sind bei den Bleddin-Geschichten von »Rabe Schnabelschwarz«, den »Geflügelten Freunden« oder bei der »Reise durch den Zauberwald« begeistert dabei.

»Wir wollen das Lesen einmal außerhalb des Stundenplans in den Mittelpunkt stellen«, erklärt Rektor Ralf-Michael Röckel. In dieser Zeit können die Kinder auch selbst »eintauchen in die Fantasie der Bücher«.
Die einzelnen Klassen der Gustav-Werner-Schule beschäftigen sich mit verschiedensten Themen. So spielte bei den Grundschülern in einer Woche die Kinderbuch-Klassikerin Astrid Lindgren die Hauptrolle. Und die Siebtklässler bereiteten die Texte für den Jubiläumskalender für »50 Jahre Gustav-Werner-Schule in den Weiherwiesen« vor.
Aber natürlich sollen die Kinder auch »richtige« Autoren in den Vorlese-Stunden erleben. In diesem Jahr war dies zum Beispiel der Dettenhäuser Autor Wilhelm Bleddin, der mit richtigem Namen Friedrich Gand heißt.
Für ihn ist der Nachbarort Walddorfhäslach als Vorleser nicht unbekannt, schließlich kommt er jedes Jahr zum Weihnachtsmarkt der Frauenliste. Einen Namen hat sich Bleddin vor allem auch durch seine stimmungsvollen, literarischen Wanderungen durchs Lautertal gemacht.
Seine Bücher hat er im Eigenverlag herausgebracht. Sie sind nicht im Buchhandel erhältlich, sondern nur über ihn zu beziehen. Mit seinen Lesungen geht er jedes Jahr auf Tour durch ganz Deutschland.
In Walddorfhäslach zog er nun die Grundschüler ganz in seinen Bann, die aufmerksam seinen Geschichten lauschten.
Für die älteren Hauptschüler war Bernd Storz zuständig. Der Reutlinger Autor und Dozent ging mit ihnen auf eine Zeitreise in die fünfziger und sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. In Walddorfhäslach stellte er Kostproben aus seinem Band »Wir vom Jahrgang 1951« vor.
Mit vielen Fotos aus jener Zeit illustrierte er die Nachkriegszeit in Deutschland und löste damit des öfteren Heiterkeit bei den Schülern aus, wenn Bilder von alten Autos oder heute sehr altmodisch und teils recht chauvinistisch wirkende Werbung zu sehen waren.
Aber am meisten wollten die Schüler von Storz erfahren, wie die Lehrer damals gewesen sind, ob er als Kind Streiche in der Schule gespielt und ob er dafür auch »Tatzen« (Schläge auf die Hand) bekommen habe. (vit)