“Amtshilfe” für Revierförster Thomas Vorwerk

Acht Stunden lang Reisig aufgesammelt

Früh am Morgen liefen die Schüler der Klasse sieben der Gustav-Werner-Schule bei klirrender Kälte über eine große Wiese im Schaichtal und sammelten Geäst auf. Zweig auf Zweig, Ast auf Ast, im Nu war ein großer Haufen dürres Holz am Wegrand entstanden.Die Schüler leisteten bei ihrem schweißtreibenden Arbeitseinsatz praktische Landschaftspflege und zugleich »Amtshilfe« für Revierförster Thomas Vorwerk. Das Schaichtal steht unter Naturschutz. Dort gibt es noch viele seltene Pflanzen (Orchideen) und Tiere, wie beispielsweise den Eisvogel. Damit dies weiter so bleibt, müssen vor allem die Wiesen, die noch von einem Bauern gemäht und bewirtschaftet werden, frei gehalten werden.
Vorwerk und seine Waldarbeiter schnitten deshalb das Unterholz der Sträucher am Bach aus. Sie treiben dann frisch aus und liefern so eine bessere Niststätte für Brutvögel. Außerdem fällten die Arbeiter die standortfremden Pappeln, die entlang des Baches standen und die Wiesen stark beschatteten.
Das Reisig und die klein gesägten Äste lagen jetzt noch auf der Wiese in Bachnähe. Vorwerk meldete sich deshalb beim Rektor der Gustav-Werner-Schule, Ralf-Michael Röckel, und fragte an, ob seine Schüler nicht an einem Tag helfen könnten, das Holz beiseite zu räumen. Röckel und seine jungen Helfer sagten sofort zu und diese Woche ging es dann gemeinsam am frühen Morgen von der Schule mit dem Fahrrad hinunter ins Schaichtal.
»Es war ganz schön anstrengend«, erzählt der Siebtklässler Marlon Gorda, nachdem er bereits den ganzen Vormittag Holz, das Waldarbeiter Manfred Steimle zurechtgesägt hatte, aufgelesen hat. »Und sehr kalt war’s«, fügt seine Klassenkameradin Celina Eboigbe hinzu. Und beide freuten sich darüber, dass es einen Tag lang einmal keinen Unterricht gab und sie draußen an der frischen Luft sein konnten. Mit bei der Aktion waren auch die beiden Lehramtsstudentinnen Anja Dürr und Ana Gatzke, die derzeit an der Gustav-Werner-Schule ihr Blockpraktikum absolvieren.
Revierförster Vorwerk wies die Schüler gleich zu Beginn der Aktion in ihre Arbeit ein und erklärte ihnen die Zusammenhänge in einem Naturschutzgebiet und wie wichtig für die Umwelt der »aktive Landschaftsschutz« ist. Wenn man die Wiesen nicht freiräume, würden sie veröden und damit die Biotop-Vielfalt im Schaichtal zerstören. Auch der Zeitpunkt für die Reisigaktion war genau richtig. Der Boden war noch gefroren. So wurden keine Pflanzen zertreten und die Schüler mussten nicht durch leicht sumpfiges Gelände waten.
Die aufeinandergeschichteten Reisighaufen bleiben vorerst am Rand der Wiesen liegen. Sie dienen später als Nistplätze für Rotkehlchen und Zaunkönig. Die dickeren Äste werden laut Vorwerk »energetisch verwertet« – sie kommen in eine Hackschnitzelanlage.
Die Auflese-Aktion hatte auch einen pädagogischen Sinn. Sie fällt unter den Begriff Erlebnispädagogik. »Dabei geht es darum, mit verschiedenen Aktionen das Gruppenleben und den Zusammenhalt in der Klasse zu fördern«, berichtet Gundula Sabrowski. Die Lehramtsanwärterin leitet zurzeit die AG-Stunde zur Erlebnispädagogik in der 7. Klasse der Gustav-Werner-Schule.
Sie war mit den Schülern bereits im Klettergarten bei Schloss Lichtenstein, wo die Siebtklässler erfahren konnten, wie man in der Gruppe miteinander umgeht und wie wichtig die Kommunikation untereinander ist. »Die Schüler sind in dieser Hinsicht inzwischen schon viel aufmerksamer geworden«, weiß Sabrowski. (GEA)