Ein Weg zur Mittleren Reife?

Claus Schmiedel auf Stippvisite in der Gustav-Werner-Schule

Kann man in nicht allzu ferner Zukunft in der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach auch die Prüfung zur mittleren Reife ablegen? Claus Schmiedel, SPD-Fraktionsvorsitzender im baden-württembergischen Landtag, könnte sich dies jedenfalls vorstellen. Im Ort herrschten »wunderbare Strukturen«, die ein attraktives Zukunftsbild vermittelten«, meinte Schmiedel bei seinem Besuch am Dienstag in Walddorfhäslach.

Der Vogt-Nachfolger redet der sechsjährigen Grundschule das Wort. In ihr sieht er einen neuen Schultypus, bei dem mit gezieltem Projektunterricht die individuelle Förderung der Schüler im Vordergrund stehen soll. Dabei fühlt er sich auf einer Linie mit Kultusminister Helmut Rau. Dessen Idee, in Zukunft die Schüler mit Haupt-und Realschulempfehlung nach der vierten Klassen noch zwei weitere Jahre gemeinsam die Schulbank drücken zu lassen, hält er für »einen Einstieg in unser Konzept«.
Ganz oben auf seiner bildungspolitischen Liste steht für Schmiedel auch die Installierung eines Ganztagesangebots. Davon profitierten vor allem die Schüler, die von zu Hause nicht genügend gefördert würden. Schmiedel: »Die Ganztagesangebote sind die Richtschnur.« Allerdings müsse man bei den Eltern noch Überzeugungsarbeit leisten. Dafür brauche man nun mehr Praxisbeispiele«, um zu zeigen, wie’s geht«. In der Vergangenheit sah er sich im Land lange in einem »bildungspolitischen Laufrad«. Opposition und Regierung stellten ihre eigenen Konzepte vor »und kommen dabei kaum vom Fleck«. Jetzt allerdings gerate die Bildungslandschaft in Bewegung.
Dem Vorschlag von Ralf-Michael Röckel, dem Rektor der Gustav-Werner-Schule, die Grundschule für alle Schüler um zwei Jahre zu verlängern und erst nach der 6. Klasse eine »echte Bildungsempfehlung« auszusprechen, wollte Schmiedel nicht folgen. Er fürchtet, dass dann den Haupt- und Realschulen die Kinder ausgingen, weil alle Eltern ihre Kinder nur noch aufs Gymnasium bringen wollten.
Schmiedel wurde von Bürgermeisterin Silke Höflinger und einer Vielzahl von Gemeinderäten im Dorfgemeinschaftshaus in Häslach empfangen. Danach stand der Besuch des ortsansässigen Schreinerbetriebs KA-Möbel Systeme in Häslach auf dem Programm. Geschäftsführer Olfert Alter ging bei seiner Betriebsbesichtung auch auf die Ausbildungssituation vor Ort und im Kreis ein.