Das ist schon eine muntere Truppe

Schulpate Lothar Späth war vom Selbstbewusstsein der Gustav-Werner-Schüler beeindruckt

Das Urteil von Lothar Späth viel eindeutig aus. »Das ist schon eine muntere Truppe«, sagte er über die Schüler der Gustav-Werner-Schule. Am Dienstag war der Wirtschaftsexperte und ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident zum zweiten Mal als Schulpate nach Walddorfhäslach gekommen. Es machte ihm sichtlich Spaß, mit den Schülern der Klassen acht und neun über ihre Praktikumserfahrungen und Zukunftsaussichten zu reden.
»Das, was mir am meisten auffällt, ist das Selbstbewusstsein, das die Schüler entwickelt haben«, schilderte Späth seine Eindrücke nach dem Schulrundgang. Er zeigte sich vor allem von der Art und Weise beeindruckt, wie die Schüler ihre Berufswahl angehen. »Das gefällt mir gut«, erklärte Späth zufrieden.

Überzeugt haben den Wirtschaftsexperten auch die Praktika, die die Schüler in Walddorfhäslach durchlaufen: »Hier fallen in wenigen Wochen, aber doch nicht spontan, wichtige Lebensentscheidungen.« Von großer Bedeutung für die Jugendlichen sei, dass »sie dabei erfahren, die Berufswahl liegt in meiner eigenen Verantwortung und nicht dort, wo meine Eltern mich hinschicken«.
Auch finde über die Praktika eine »leise Auslese« statt, so Späth weiter. Die Schüler könnten dabei erkennen, »das packe ich und das nicht«. So kämen sie dann auch in Jobs, die anfangs auf ihrer Beliebtheitsskala nicht unbedingt an erster Stelle gestanden hätten.
Die Schüler hatten sich auf den prominenten Besuch gut vorbereitet. Sie zeigten Späth, die Werkstücke, die sie während ihrer Praktika erarbeitet hatten, berichteten ausführlich von ihren Berufswünschen und stellten ihm Projekte wie den einwöchigen London-Aufenthalt vor. Und der Wirtschaftsfachmann fragte nach, wollte mehr über die einzelnen Berufssparten wissen und es entfuhr ihm immer wieder ein »super« oder »prima«, wenn einer der Hauptschüler berichtete, dass er schon eine Lehrstelle in Aussicht hat oder seine Ausbildung an einer Fachschule fortsetzen will.
Auch die Bildungspolitik war Thema beim Späth-Besuch. Er wünsche sich »mehr Spielraum für die Schulen, damit sie sich selbst entwickeln können«, meinte er vor Lehrern der Schule. Allerdings will Späth auch eine »unheimliche Starre« ausgemacht haben, wenn es um Reformen oder Veränderungen gehe. Gemeint war damit nicht zuletzt die behördliche Schulverwaltung.
Für Späth ist klar, dass man den Sozialstaat in Zukunft nur finanzieren könne, wenn man jetzt in Bildung und Forschung investiere. Die Eltern hätten dies schon erkannt, »ihre Bereitschaft, in ihre Kinder und die Schule zu investieren, war noch nie so hoch wie jetzt«.
Die Gustav-Werner-Schule hatte bei dem Wettbewerb »Stars für die Schule« der Zeitschrift »Focus« den ersten Platz in der Kategorie »Wirtschaft« belegt. Der »Star« für die Walddorfhäslacher Schule ist nun Lothar Späth. Er wird noch ein- bis zweimal als Schulpate nach Walddorfhäslach kommen. »Als Aushilfslehrer war Herr Späth heute ganz große Klasse«, meinte Rektor Ralf-Michael Röckel am Dienstag scherzhaft.
Die Focus-Jury begründete den ersten Platz damit, dass es der Walddorfhäslacher Hauptschule seit Jahren gelinge, ihre Absolventen in Ausbildungsplätzen oder weiterführenden Schulen unterzubringen. »In dieser Schule steckt Leben und Engagement«, meinte denn auch Bürgermeisterin Silke Höflinger beim Späth-Besuch. Es sei wichtig, dass so eine Schule am Ort bleibe. Wie Rektor Röckel plädiert sie dafür, dass in Walddorfhäslach auch eine Werkrealschule eingerichtet wird. (GEA, Veit Müller)