Späth setzt auf Ideen von Hauptschülern

In einem feurigen Vortrag hat Lothar Späth die Hauptschüler in Walddorfhäslach ermuntert, den deutschen Arbeitsmarkt zu stürmen – mit Ideen im Dienstleistungsbereich.

Die Aula der Gustav-Werner-Schule war bis auf den letzten Platz gefüllt. Bürgermeisterin Silke Höflinger, zahlreiche Firmenvertreter aus der Region sowie Eltern und Lehrer waren gekommen, um mit den Schülern der 8. und 9. Klassen sowie Lothar Späth über das Thema Berufe und Ausbildungsmarkt zu diskutieren. Späth reiste im Rahmen des FOCUS-SCHULE-Projekts „Stars für die Schule“ und mit Unterstützung des „Förderverein Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft e.V.“ am Montagabend in den baden-württembergischen Ort Walddorfhäslach. Für ein Jahr ist er Pate der Hauptschule.
„Es fällt mir schwer, mich in die Rolle des Lehrers zu versetzen“, sagte der ehemalige Ministerpräsident und heutige Vorsitzende der Geschäftsführung der Investmentbank Merrill Lynch zu Beginn zu den Jugendlichen – und erntete schmunzelnde Blicke. „Ich bin zwar Professor, war aber nie Student und habe nie Abitur gemacht. Ich spreche aus eigener praktischer Erfahrung zu euch“, erklärte er. Worte, die Mut machten. Genau dafür war Späth zu den Schülern gekommen. In einem einstündigen Vortrag versuchte er ihnen zu vermitteln, dass jeder, der seine Sache gut macht, auch Erfolg hat. Egal, welche Schulform er besucht hat. Außerdem bedeute ein Abitur auch nicht alles: „Wenn ich auf eine Baustelle gehe, dann wende ich mich als erstes an den mit den Hosenträgern, denn der weiß wo’s lang geht. Das sind häufig die Praktiker und nicht die Akademiker.“
Mehrfach betonte Späth, dass es besonders darauf ankomme, Menschen für sich und seine Sache zu gewinnen. Chancen räumte er den Schülern vor allem im Dienstleistungsbereich ein. Einem wachsenden Markt, denn Deutschland sei ein rohstoffarmes Land. Sie sollten sich an den Mittelstand halten, weil dort „das Herz des wirtschaftlichen Aufschwungs“ schlage. „Die Unternehmen brauchen den Nachwuchs aus den Hauptschulen. Ausbildungsplätze dürfen nicht unbesetzt bleiben, weil es an qualifizierten Bewerbern fehlt.“
Von den künftigen Bewerbern überzeugte sich der Manager dann auch persönlich. Die Schüler hatten ihre Praktikumsmappen dabei und zeigten dem Star, der sich auf eine Treppe gesetzt hatte, was sie schon alles gelernt hatten. Späth war sichtlich beeindruckt. Während die einen ihren Paten umringten und auch zaghaft um das ein oder andere Autogramm baten, nutzten Klassenkameraden die Gelegenheit, mit Gewerbetreibenden ins Gespräch zu kommen – für das nächste Praktikum oder einfach, um sich über Firmen und Ausbildungsmöglichkeiten zu informieren.
Im April und Juni wird Lothar Späth seine Patenkinder ein weiteres Mal besuchen, mit ihnen eine Unterrichtsstunde verbringen und gemeinsam mit den Pennälern örtliche Praktikumsbetriebe besuchen. „Ich möchte Mut machen, motivieren und helfen“, begründet er sein Engagement.