Das hat riesig Spaß gemacht

Walddorfhäslacher Grundschüler beschäftigten sich einen Tag lang mit »Mein Freund der Baum«

»Das hat riesig Spaß gemacht«, schallt es wie aus einem Mund. Die Drittklässler der Gustav-Werner-Schule haben sich frühmorgens auf einer Obstbaumwiese am Rande von Walddorfhäslach getroffen und Äpfel aufgelesen. Zehn Zentner haben sie an diesem Tag eingesammelt und zur Mosterei Riehle in Sickenhausen gebracht. Es war für die 19 Mädchen und Jungs der Klasse 3 a ein Unterricht der besonderen Art.

Zehn Zentner Obst sammelten Schülerinnen und Schüler der Gustav-Werner-Schule und brachten es gleich zum Mosten. »Mein Freund der Baum« heißt eine landesweite Aktion, an der auch die Drittklässler aus Walddorfhäslach teilnehmen.
In der Mosterei wurde das aufgelesene Obst gleich ausgepresst. Der frische Saft lief in eine große Wanne, aus der die Schüler das Ergebnis ihrer Arbeit sofort herausschöpfen und probieren konnten. Sie waren sichtlich zufrieden, der Saft schmeckte ausgezeichnet. Und am Ende des Naturunterrichts konnte jedes der 19 Kinder wie auch die Erwachsenen, die sie begleiteten, fünf Liter frischen Apfelsaft mit nach Hause nehmen.
Mit dabei waren auch Ingrid und Bernd Lentz vom Walddorfhäslacher Obst- und Gartenbauverein. Für sie ist es wichtig, dass die Kinder »den Bezug zur Natur kriegen«. Mit der Most-Aktion sollten die Schüler sehen, »wie man Apfelsaft selbst produzieren kann«. Und sie haben erfahren, »dass der Geschmack von frisch gepresstem Apfelsaft viel intensiver ist, als wenn man ihn im Supermarkt kauft«.
Einfach war die Aufleserei der Äpfel auf der Streuobstwiese für die Kinder allerdings nicht. Bei recht kühlen Temperaturen und Nieselregen mussten die Drittklässler das reife Obst aufklauben. Die guten Äpfel kamen in den Korb, die schlechten wurden beiseitegelegt. »Wir haben gesagt, wir machen das bei jedem Wetter«, meinte Lehrerin Barbara Jauch. Sie hielt sich auch an den alten Grundsatz: Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Die Sammelei und Mosterei war Teil der Aktion des Staatsministeriums »Mein Freund der Baum«. Die Kinder lernten jetzt aber nicht nur, wie man aus heimischen Äpfeln Saft macht. Sie sind das ganze Jahr über mit dem Thema »Baum« beschäftigt. »Sie sollen sehen, dass so ein Apfelbaum zu allen Jahreszeiten Pflege braucht«, erklärte Ingrid Lentz.
Für Klassenlehrerin Jauch war die Aufleseaktion noch aus einem anderen Grund sehr wichtig. Sie sollte die Klassengemeinschaft stärken. Die 3 a wurde aus dem jahrgangsübergreifenden Unterricht der ersten beiden Schuljahre neu zusammengestellt. Mit einer solchen Aktion lernen sich die Kinder besser kennen.
Und sie arbeiten nicht unter Konkurrenzdruck: »Jeder ist gut, jeder leistet etwas«, beschreibt Ingrid Lentz die Vorteile der gemeinschaftlichen Aktion.
In der Sickenhäuser Mosterei zeigte Besitzer Klaus Riehle den Kindern, wie der Apfelsaft im »Bag in Box«-Verfahren hergestellt wird. Zuerst werden die Äpfel gewaschen. Danach werden sie in einer Mühle klein gehäckselt und über zwei fest gespannte Bänder ausgepresst. Der Saft landet in einer großen Wanne.
Von dort wird die Flüssigkeit durch eine Zentrifuge gejagt, um die Grobstoffe herauszufiltern. Zum Schluss wird der Saft erhitzt und in eine Art Kunststoffschlauch (Bag) abgefüllt, der später in eine handliche Box gesteckt wird. Auf diese Art ist der Saft gut zwei bis drei Jahre lager- und haltbar.
Das Verfahren, bei dem jeder seine Äpfel von der Streuobstwiese zur Mosterei bringen und kurze Zeit später als Saft mit nach Hause nehmen kann, kommt bei der Bevölkerung offensichtlich sehr gut an. »Wir haben in diesem Jahr schon 33000 Liter abgefüllt«, erzählt Riehle, der sich wundert, dass es das »Bag in Box«-System in Deutschland erst seit vier bis fünf Jahren gibt. In Frankreich und Spanien werde dieses Verfahren vor allem für Wein schon wesentlich länger angewandt. (GEA)