Lesen regt die Fantasie an

Zwei Autoren aus dem Südwesten waren jetzt zu Gast in der Gustav-Werner-Schule

Eine Woche lang drehte sich in der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach alles ums Lesen. „Zum Teil wurde der Stundenplan völlig außer Kraft gesetzt. Im Mittelpunkt stand einfach nur das Fach Lesen“, erklärt Schulrektor Ralf-Michael Röckel. Und wenn während der so genannten Frederikwoche das Medium Buch in den Vordergrund gerückt wird, heißt das in Walddorfhäslach auch immer: Es kommen namhafte Autoren an die Schule, die den Schülerinnen und Schülern vorlesen und mit ihnen über ihre Bücher und ihre Arbeit sprechen. Dieses Jahr waren die Autorin Karin Nowak und Krimiautor Veit Müller zu Gast – und beide fanden ein aufmerksames und wissbegieriges Publikum vor.
„Wer keine Lesekompetenz besitzt, zeigt letztlich Schwächen in allen Fächern“, erklärt Röckel die Bedeutung der Lesewoche für die Schüler. Man könne deshalb nicht früh genug damit beginnen, die Kinder zum Lesen zu bringen. Und dabei könnten die Mädchen und Jungs dann tief in die Fantasie der Bücher eintauchen.

Die Ravensburgerin Karin Nowak war für die Grundschüler zuständig: Für die Lerngruppen las Sie „Puck der kleine Seeräuber“ und nahm die Kinder mit auf hohe See.
Schon bei den ersten Zeilen, war eine Stille in der Aula, dass man tatsächlich das Klappern der Schwerter der Seeräuber hören konnte. Nowak erzählte von Puck, dem kleinen Seeräuber, der der wildeste von allen Seeräubern auf dem Schiff vom „Schwarzen Joe“ war. Er kletterte auf den höchsten Mast der „Feurigen Sturmbraut“, schleppte am weitesten die schweren Kanonenkugeln und blieb am längsten bei Gewitter draußen an Deck.“
Für die Klassen 3 und 4 gab es eine Kostprobe von „Henner, Mine und das Feuerwehrauto“
Da wurden Kinderaugen groß, als es um große rote Fahrzeuge ging und ein kräftiges „Tatüüütataaaa…“ durch die Aula klang.
Karin Nowak schreibt seit 1991 und ihr Repertoire ist vielfältig: Jugendromane, Vorlesebilderbücher, Kindergeschichten zur Thematik chronische Erkrankungen und Theaterstücke. Sie hat viele Geschichten im Eigenverlag herausgebracht. Einige ihrer Bücher sind aber natürlich auch im Buchhandel erhältlich. In Walddorfhäslach zog sie nun die Grundschüler in ihren Bann, die aufmerksam ihren Geschichten lauschten.
Während die Grundschüler sich in der Frederickwoche auf Bilderbücher, Kurzgeschichten und Ganzschriften konzentrierten, beschäftigten sich die Hauptschüler mit dem Lesen der Tageszeitung, mit Krimis und mit verschiedenen Klassikern, wie z.B. Krabat.
Außerdem galt ihr Augenmerk auch der Vorbereitung auf den Beruf und die Achtklässler suchten Texte und Gedichte für den Volkstrauertag aus.
Für die älteren Hauptschüler war Veit Müller zuständig. Der Pfälzer, der seit Jahren in Tübingen lebt, ist freier Journalist und hat sich in den letzten Jahren auch einen Namen als Krimiautor gemacht.
Müller stellte den Hauptschülern sein breites schriftstellerisches Repertoire vor: Freizeitführer, Kurzgeschichten und Kriminalromane. Die Spannung war deutlich spürbar als der Autor ins Klassenzimmer kam. Die Hauptschüler kannten sein Erstlingswerk „Zwischen den Zeilen lauert der Tod“ (erschienen im Reutlinger Verlag Oertel & Spörer) und waren gespannt auf sein zweites Buch. Die Spannung hat sich gelohnt: Müller konnte bei der Autorenlesung seinen druckfrischen Roman „Tod im Schönbuch“ präsentieren. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert, da dieser Roman zum großen Teil in Walddorfhäslach spielt und darin auch die Sagen und Geschichten aus dem Schönbuch rund um Walddorfhäslach verarbeitet wurden. Müller zog die Schüler durch eine geschickte Mischung von Lesung und Werkstattgespräch in seinen Bann.
Veit Müller ließ die Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt am Roman teilhaben. Seine Lesung war mit gekonntem „Drive“ vorgetragen und steckte voller Spannung. Dabei schöpft er aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Theaterkritiker, Gerichtsreporter und lokaler Berichterstatter für den Reutlinger General-Anzeiger. Und so verwundert es nicht, dass die Schülerinnen und Schüler ihm an den Lippen hingen.
Veit Müllers Buch gehört zweifellos zu den interessantesten Regionalkrimis, dies hat er in der Gustav-Werner-Schule eindrucksvoll bewiesen.
Finanziell wurde die Frederickwoche von der Volksbank Reutlingen und dem Landratsamt Reutlingen, Amt für Schule und Bildung unterstützt. (gws)