Locker den Buckel hoch

Tüftler – Vier Schüler entwickeln preisgünstiges Elektrofahrrad

Der hohe Benzinpreis trifft nicht nur die Autofahrer. Auch Jugendliche, die mit Roller und Mofa unterwegs sind, müssen für den Sprit tief ins Portemonnaie greifen. »Das geht wirklich ins Geld«, meint René Bender, Schüler der Gustav-Werner-Schule. Zusammen mit seinen Klassenkameraden, Justus Mattedi, Patrick Hätinger und Frank Bezner suchte er nach einer Lösung, die »billiger und umweltfreundlicher« ist – und fand sie im Elektrofahrrad.
Auf die Variante zu Mofa und Roller stießen die Schüler der Abschlussklasse der Walddorfhäslacher Hauptschule beim Surfen im Internet. In Deutschland allerdings kostet ein Elektrofahrrad locker bis zu 2 500 Euro. Das war für die Schüler natürlich zu teuer.

Doch sie ließen sich nicht entmutigen. Sie recherchierten unter Anleitung ihres Lehrers und Konrektors Norbert Fehrle weiter im Internet und entdeckten schließlich einen Importeur, der Bauteile für Elektrofahrräder aus China einführt. Diese Teile sind recht günstig, »weil sie in China millionenfach hergestellt werden. Dort sind halt solche Fahrräder mit Motor überall auf den Straßen unterwegs«, erklärt Fehrle.
Und schon war das Projekt aus dem Bereich »Physik, Technik und Wirtschaft« geboren. Die vier Schüler setzten sich mit ihrem Lehrer zusammen und entwickelten ein preisgünstiges Elektrofahrrad. Zuerst montierten die Jugendlichen einen Sensor an die Pedale, der die Impulse an den Motor weitergibt. Das bedeutet: Sobald man während der Fahrt in die Pedale tritt, schaltet sich der Motor dazu und man kommt viel leichter voran, was vor allem bergauf von unschätzbarem Vorteil ist.
Zuerst bastelten die Schüler einen Prototyp zusammen. »Mit unserem ersten selbst entwickelten Elektrofahrrad bin ich von Metzingen bis nach Walddorfhäslach gefahren. Alles hat prima funktioniert«, berichtet Fehrle. Vor allem »in Pliezhausen den Buckel hoch« sei die Unterstützung des Elektromotors »ganz toll« gewesen.
Die vier Gustav-Werner-Schüler bauen nun auf Wunsch jedes alte oder neue Fahrrad zu einem Elektrofahrrad um. Der Drahtesel darf vorne allerdings keine Trommelbremse, sondern muss eine Felgenbremse haben, »sonst können wir den Motor nicht einbauen«. Der Umbau soll 299 Euro kosten. Wer Interesse hat, seinen Drahtesel umrüsten zu lassen, kann sich im Sekretariat der Schule melden.
Die Entwicklung des Elektrofahrrads, für die die Schüler bereits einige Nachmittage investiert haben, »hat riesig Spaß gemacht«, sagen alle vier. Sie wollen das Projekt nun auch als Abschlussarbeit für die Hauptschularbeit vorbereiten.
Das von den Schülern entwickelte Elektrofahrrad wird von drei Zwölf-Volt-Akkus angetrieben und erreicht eine Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern. Wer schneller radeln will, muss zusätzlich kräftig in die Pedale treten.
Der Motor hat eine Leistung von 250 Watt. Die Reichweite des Elektrofahrrads ist 30 Kilometer. »Die Stromkosten, die man fürs Aufladen der drei Akkus investieren muss, belaufen sich auf 15 Cent pro 100 Kilometer«, erklärt Fehrle.
Für das Elektrofahrrad braucht man keinen Führerschein. Außerdem ist es versicherungsfrei. Auch einen Motorradhelm muss man nicht tragen, wie Fehrle bestätigt. Für den Kundendienst sorgen die Schüler. Aber der wird wohl selten anfallen. Laut Fehrle braucht der Elektromotor eigentlich keine Wartung. Später soll das Vehikel noch umweltfreundlicher werden: Die Schüler wollen in naher Zukunft die Akkus für den Elektromotor mit Solarzellen aufladen. (GEA)