Mitreißende Zirkus-Show

Pädagogik – Clownerie, Jonglage und Akrobatik gehört seit vier Jahren zum Profil der Gustav-Werner-Schule

»Eigentlich bin ich ganz anders, aber ich komme nur viel zu selten dazu«, sangen die Sechstklässler kräftig mit beim Udo-Lindenberg-Song. Wie anders sie sein können, das zeigten die Gustav-Werner- Schüler bei ihrer mitreißenden und perfekt präsentierten Zirkus-Show in der Schul-Aula. Und wirklich schade, dass sie so selten dazu kommen und das Programm insgesamt nur zweimal aufführen. Es steckte viel Theater in dieser Zirkus-Show. Die Posen, die weißen Gesichter und roten Nasen, die alle trugen, die gekonnte Schauspielerei – alles wirkte bis ins letzte Detail ausgeklügelt.
Die Choreografie war durchgängig stimmig und der Unterhaltungswert der einzelnen Programmpunkte war kaum zu überbieten. Und man sah es den Schülern an der roten Nasenspitze an: Zirkus macht riesig Spaß.
Lehrer Grischa Jauch hatte intensiv mit den Schülerinnen und Schülern der sechsten Klasse gearbeitet. Und es war noch eine weitere Handschrift eines Experten erkennbar, nämlich die von Werner Jauch, dem Schultheaterreferenten des Landes Baden-Württemberg.

Über Wochen hatten die beiden mit den Kindern das Zirkus-Programm einstudiert. »Wir haben in dieser Zeit wirklich rausgeholt, was rauszuholen ist«, meinte Grischa Jauch nach der schweißtreibenden Premiere in der Schule.
Seit vier Jahren gehört Zirkus zum Unterricht und zum Profil der Gustav-Werner-Schule. Warum Zirkus-Unterricht für die Kinder so wichtig ist, erklärt Werner Jauch: »Er fördert die soziale Kompetenz, die Team- und Präsentationsfähigkeit sowie die Kreativität.« Auf diese Weise leiste er einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung der Schüler.
Ab der fünften Klasse gehört der Zirkus zum Stundenplan der Gustav-Werner-Schüler. Eine Stunde pro Woche schlüpfen sie in die Rollen von Clowns, Jongleuren und Akrobaten. In der sechsten Klasse sind es dann zwei Stunden pro Woche. In den ersten drei Jahren half ein Zirkuspädagoge mit. Ab diesem Schuljahr führt Lehrer Grischa Jauch nun alleine Regie. Im zweiten Halbjahr kam noch sein Vater, Werner Jauch, dazu.
Alle 21 Schüler wurden ins Programm integriert. Jeder hatte seinen Platz und aus manchmal zurückhaltenden und schüchternen Schülern wurden selbstbewusste, die ihre Chance erhielten, sich einmal auf einer Bühne präsentieren zu können.
Für die Aufführung fiel sogar eine Woche der Normal-Unterricht aus. »Wir haben jeden Tag nur noch geprobt«, berichtet ein sichtlich geschaffter, aber rundum zufriedener, Grischa Jauch.
Die Zirkustricks hatten die Schüler recht schnell einstudiert. Aber gerade Gestik und Mimik, Kleinigkeiten wie der einstudierte Blick nach oben zum rechten Zeitpunkt, erforderten gehörig Zeit und Geduld. »Da steckt viel Arbeit dahinter«, erklärt Grischa Jauch.
Die ästhetische Bildung erhalte einen immer wichtigeren Platz im zentralen Bildungssystem, erläutert der Theaterpädagoge Werner Jauch. Nach vielen Jahren sei es nun endlich gelungen, ein reguläres Theaterfach in den Schulbetrieb einzuführen, in dem man auch ab dem Schuljahr 2011/2012 das Abitur ablegen könne. (GEA)