Lust auf Lesen wecken

Veit Müller und Franjo Terhart zu Gast in der Gustav-Werner-Schule

Eine Woche lang drehte sich in der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach alles um die Faszination Lesen. „Jede Klasse konnte ganz individuell diese Woche gestalten. Zum Teil wurde der Stundenplan völlig außer Kraft gesetzt. Im Mittelpunkt standen drei wichtige Dinge. Lesen, lesen und lesen.“, erklärt Schulleiter Ralf-Michael Röckel. Und wenn während der Frederikwoche das Medium Buch in den Vordergrund gerückt wird, heißt das in Walddorfhäslach auch immer wieder: Es kommen namhafte Autoren an die Schule, die den Schülerinnen und Schülern vorlesen und mit ihnen über ihre Bücher und ihre Arbeit sprechen. Dieses Jahr waren die Autoren Franjo Terhart und Krimiautor Veit Müller zu Gast – und beide fanden ein aufmerksames und wissbegieriges Publikum vor.
„Wer keine Lesekompetenz besitzt, zeigt letztlich Schwächen in allen Fächern“, erklärt Röckel die Bedeutung der Lesewoche für die Schüler. „Tatsächlich möchten wir mit unseren Frederick-Tagen im besten Sinne eine Lanze für die Lesekultur in der modernen Mediengesellschaft brechen. Wir wollen Lesekompetenz stärken, Lesefreude von Kindern und Jugendlichen wecken und Lebenschancen vermitteln“, sagt Röckel. Man könne deshalb nicht früh genug damit beginnen, die Kinder zum Lesen zu bringen. Und dabei könnten die Mädchen und Jungs dann tief in die Fantasie der Bücher eintauchen.
Leseförderung lebt, wie Röckel erklärt, von der Vielfalt. Zeitgemäße Leseförderung operiere fächerübergreifend, am besten in einem Projektverbund, wie die Frederickwoche. Röckel: „Wer viel liest, kann viel gewinnen.“
Lesen sei wie kein anderes Mittel geeignet, Nachteile von Kindern aus bildungsärmeren Schichten wettzumachen. Es sprenge den „Teufelskreis von innen, dass sich Bildungsarmut von einer auf die nächste Generation vererbt“.
Franjo Terhart aus Nordrhein-Westfalen war bei der Frederickwoche für die Grundschüler der Gustav-Werner-Schule zuständig: Für die Lerngruppen las er aus seinem Bilderbuch: „Ein Haustier für Henriette.“ Schon bei den ersten Zeilen, war eine Stille in der Aula, dass man tatsächlich die Katze und das Faultier durch die Aula laufen hörte. Terhart erzählte auch Gute-Nacht-Geschichten aus seinem Buch „Florina und der Zauberstein“.
Für die Klassen 3 und 4 gab es Kostproben aus den Mitratekrimis aus dem Alten Rom „Die Augen der Hydra“ und „Der Sohn des Gladiators“ und noch ein Abenteuer aus dem Alten China „Das Geheimnis der stummen Krieger“. So lebendig kann Geschichte sein.
Franjo Terhart, Jahrgang 1954, hat bereits über 70 Bücher geschrieben. Das Repertoire reicht von Kinder- und Jugendbücher bis hin zu Sachbüchern und Belletristik. Zahlreiche Preise in In- und Ausland machen ihn zu einem ganz besonderen Vorleser.
Für die Hauptschüler war dieses Jahr wieder der Lokaljournalist Veit Müller zuständig. Der freie Journalist, der in Tübingen lebt, hat sich in den letzten Jahren auch einen Namen als Krimiautor gemacht. Er ist den Walddorfern kein Unbekannter.
Müller stellte den Hauptschülern sein breites schriftstellerisches Repertoire vor: Die Spannung war deutlich spürbar als der Autor ins Klassenzimmer kam. Die Hauptschüler kannten seine Werke „Zwischen den Zeilen lauert der Tod“ und “Tod im Schönbuch“. Die Spannung hat sich gelohnt: Müller konnte bei der Autorenlesung die druckfrische Krimi-Anthologie „Henker, Huren, Mordgesellen“ vorstellen. Hierbei handelt es sich um historische Schwabenmorde. In diesem Buch hat Müller die tragische Geschichte des Walddorfers Carl Schweller aus dem 19. Jahrhundert als Kurzkrimi nacherzählt. Die Schülerinnen und Schüler waren begeistert, da diese Krimigeschichte im Ort und im Schaichtal spielt. Außerdem stellte der Tübinger Autor seinen Kurzkrimi „Für Paul“ und seine Erzählung „Mein Wohnzimmer“ vor.
Müller zog die Schüler durch eine geschickte Mischung von Lesung und Werkstattgespräch in seinen Bann. Er ließ sie Schritt für Schritt an den Geschichten teilhaben. Seine Lesung war mit gekonntem „Drive“ vorgetragen und steckte voller Spannung. Und so verwundert es nicht, dass die Schülerinnen und Schüler ihm an den Lippen hingen.
Finanziell wurde die Frederickwoche von der Volksbank Reutlingen und dem Staatlichen Schulamt Tübingen unterstützt.