Regierungspräsidium bleibt stur

Keine Werkrealschule in Walddorf

An der einzügigen Hauptschule in Walddorfhäslach wird es (vorerst) kein zehntes Werkrealschuljahr geben. Das Tübinger Regierungspräsidium (RP) lehnte den Antrag der Gemeinde jetzt ab. Schulleiter Ralf Michael Röckel ist enttäuscht und verärgert. »Es wird nicht auf die Qualität, sondern nur auf die Quantität geschaut«, kritisiert er. Ebenso wenig kann der Rektor nachvollziehen, dass im Bereich des Tübinger Regierungspräsidiums keine einzige einzügige Hauptschule eine Genehmigung für ein zehntes Werkrealschuljahr erhalten hat.
In anderen Regierungsbezirken, beispielsweise in Stuttgart und Karlsruhe, gab es dagegen eine ganze Reihe solcher Ausnahmegenehmigungen. »Hier stimmt die Ausgewogenheit in der Politik nicht. Die Chancengleichheit ist nicht mehr gewährleistet«, meint Röckel.

Alle Schulen müssten gleich behandelt werden, fordert der Schulleiter. Es dürfe nicht sein, dass Schüler in Städten bessere Voraussetzungen vorfänden, als im ländlichen Raum, »das kann ich überhaupt nicht nachvollziehen«. Für die Kinder mit guten Noten, die in eine gute Hauptschule auf dem Land gingen, sei es ein großer Nachteil, wenn sie für ein einziges Jahr dann noch an eine andere Schule wechseln müssten.
Seit Jahren schon findet jeder Abgänger der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach eine Lehrstelle oder den Weg an eine weiterführende Schule. Zudem wurde die Hauptschule mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Doch diese gute pädagogische Arbeit werde nun überhaupt nicht gewürdigt, »das zählt alles nicht«, ist Röckel enttäuscht. Die Politik sollte auch einmal darauf schauen, ob eine solche Erfolgsquote der Schulabgänger wie in Walddorfhäslach an allen anderen, zweizügigen Hauptschulen, die nun zur Werkrealschule werden, vorhanden sei, gibt er zu bedenken.
Auch der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth lobte die Gustav-Werner-Schule. Er bescheinigte der Walddorfhäslacher Hauptschule Modellcharakter und zeigte sich vom »klar durchstrukturierten pädagogischen und modernen Konzept der Schule« beeindruckt. Späth: »Die Gustav-Werner-Schule ist eine innovative und vorbildliche Bildungseinrichtung.« Aufgrund der Schülerzahlentwicklung an der einzügigen Hauptschule in Walddorfhäslach könne die erforderliche Mindestzahl von 16 Schülerinnen und Schüler für den kontinuierlichen Betrieb einer Werkrealschule nicht gewährleistet werden, schreibt das Regierungspräsidium in seiner Ablehnung. Auch von anderen Orten würden wohl keine Hauptschüler nach Walddorfhäslach in eine zehnte Klasse gehen. (vit)