Englisch bei den Engländern

Walddorfhäslacher Hauptschüler gehen in London auf eine Sprachschule und holen ein Zertifikat

Das Fach Englisch wird in der Hauptschule immer wichtiger. Deshalb räumt nun auch die Gustav-Werner-Schule dieser Fremdsprache einen großen Stellenwert in ihrem Profil ein. Um die Sprachkenntnisse der Schüler zu vertiefen, geht die Hauptschule im Juli zum ersten Mal mit drei Klassen auf große Tour nach London.
In der britischen Metropole besuchen die 55 Hauptschüler unter anderem eine Sprachschule, wo sie ein Englisch-Zertifikat erwerben. Die Organisation der Reise war für die Lehrer der Gustav-Werner-Schule sehr aufwendig. »Wir haben sämtliche Fluglinien in Stuttgart abgeklappert, um günstige Flüge zur Tageszeit zu bekommen«, berichtet Konrektor Norbert Fehrle.
Zudem mussten in London Gastfamilien gefunden werden, bei denen die Schüler eine Woche lang untergebracht sind. Dabei war vor allem Englischlehrerin Beate Döttling gefordert, die den ganzen E-Mail-Schriftverkehr erledigen musste.
Auch im Unterricht spielt die Vorbereitung der Reise schon seit Wochen eine große Rolle. Die Schüler sammeln zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten in London viele wichtige Informationen. Die münden dann in ein Referat, das vor Ort, zum Beispiel vor dem Tower, gehalten wird – wenn die Schüler wollen, auch auf Englisch.

Sie landen auf dem Londoner Flughafen Heathrow, dann wartet auf die Schüler schon das erste Abenteuer: Sie müssen mit U-Bahn und Zug zu ihren Unterkünften in Beckenham im Süden Londons. »Wir haben bewusst auf einen Charterbus verzichtet«, erklärt Fehrle. Erstens ist die Tour mit öffentlichen Verkehrsmitteln billiger und zweitens lernen die Schüler beim dreimaligen Umsteigen gleich, wie das Verkehrssystem in London funktioniert.
Die erste große sprachliche Herausforderung steht bei den Gastfamilien an. Dort wird nur Englisch gesprochen, also müssen die Hauptschüler im Alter zwischen 13 und 16 Jahren ihr ganzes Vokabular, das sie bisher gelernt haben, abrufen, um sich entsprechend verständigen zu können.
So einfach in ihre Zimmer zurückziehen können sich die Mädchen und Jungs aus Walddorfhäslach auch nicht. Um die Motivation, Englisch zu reden, noch zu stärken, dürfen die Schüler auf die London-Reise keine Unterhaltungselektronik mitnehmen, sprich i-Pod, Nintendo und Playstation. Selbst die Handys müssen laut Fehrle zu Hause bleiben. Wer mit zu Hause telefonieren will, muss in London in die Telefonzelle. Es sei einfach wichtig für die Schüler, die Sprache live zu erleben, sagt Fehrle. So würden die Jugendlichen sehen, dass es nicht nur darum geht, Vokabeln zu lernen, um gute Noten zu erhalten, sondern, dass man die Wörter benötige, um sich richtig unterhalten zu können. Vor allem auch das Gefühl für die englische Sprache werde in London gestärkt. Dabei soll auch der Besuch der Sprachschule helfen.
Die Lehrer der Gustav-Werner-Schule haben im Vorfeld alles daran gesetzt, dass die Reise für die Eltern der Schüler finanziell zu bewältigen ist. Die Familien können die Reisekosten seit vergangenem Sommer in kleineren, monatlichen Raten ansparen.
Außerdem organisierten die Eltern einen Backwaren-Pausenverkauf, dessen Erlös dem Ausflug zugutekommt. Daneben fiel zur Freude Fehrles der Lufthansa-Flug recht günstig aus, und zusätzlich halten Zuschüsse der Gemeinde und von zwei Walddorfhäslacher Geldinstituten die Kosten der Reise in überschaubaren Grenzen. (Veit Müller,GEA)