Grenzen überwinden

Hauptschüler der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach zeigen mit »Nasige Zeiten« eine perfekte Schau

Zuerst präsentieren sich die Rotgesichter mit ihren großen Nasen auf der Bühne. Dann kündigt das Pink-Panther-Thema Krimi-Spannung an. Die kleinen Diebe schleichen mit ihren Taschenlampen durch die Szenerie. Doch ganz vorsichtig. Beim ersten Geräusch sind sie schon wieder verschwunden.
Und nun kann die Show beginnen: die wundervollen und sehr unterhaltsamen »Nasigen Zeiten« mit dem Schulzirkus der Walddorfhäslacher Gustav-Werner-Schule.
Was die Hauptschüler mit ihrem Zirkus »Schulini« inzwischen auf die Beine stellen, ist beachtlich. Es ist schon längst keine einfache Aneinanderreihung von kleinen Kunststückchen mehr. Es ist eine richtige, kompakte Show, ein wahres Zirkustheater. Jonglagen, Akrobatik, Balanceakte und Trapeznummern sind in eine Handlung eingebettet. Die Mimen spielen, posieren, agieren nach einer perfekten Choreografie. Bei der Premiere diese Woche im übervollen Foyer der Schule war das Publikum begeistert. Es feuerte die Akteure an, die wunderbare Bilder auf die Bühne zauberten, beispielsweise bei den Jongliernummern mit den leuchtenden Bällen.
Die Zuschauer fieberten mit, wenn die Schüler kopfüber am Trapez hingen oder auf dem Rollbrett balancierten. Und zwischendrin kamen die kleinen Diebe auf leisen Sohlen oder brachial mit Pistolen und klauten den Zirkusleuten die Requisiten vor der Nase weg.
Wer zu welcher Gruppe gehörte, konnte man schon an den Gesichtern erkennen. Die Roten, das waren die Guten, die Schwarzen die Bösen.
Der Zirkus ist fest in den Stundenplan der Gustav-Werner-Schule integriert. In der fünften Klasse gibt es eine Stunde pro Woche einen »Schnupperkurs«. Dabei können die Schüler erfahren, welche Kunststückchen ihnen am meisten Spaß machen.
In Klasse sechs sind es dann zwei Stunden pro Woche und am Ende des Schuljahres steht die große, aufregende Aufführung. Vor der Premiere reichen die zwei Stunden allerdings bei Weitem nicht mehr aus. Da müssen schon mindestens drei Kompakttage eingebaut werden, in denen die Schüler unter Anleitung von Lehrer und »Zirkusdirektor« Grischa Jauch sowie der Theaterpädagogin Petra Roth am Stück die Kunststücke einüben.
Für Jauch hat der Zirkus-Unterricht einen großen Stellenwert im Schulalltag. »Er stärkt das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit der Schüler«, erklärt er.
Die Jungen und Mädchen der fünften und sechsten Klassen stießen mit dem Projekt in neue Bereiche vor, so Jauch Sie müssten dabei Grenzen überwinden und lernten, wie wichtig es ist, dass man sich auf den anderen verlassen kann und wie man als Team ein Zirkusprogramm auf die Beine stellt.
Jauch: »Das ist jedes Mal wieder eine große Herausforderung.« Für Schüler wie auch für die Lehrer. (Veit Müller,GEA)