Alternativen zur Mattscheibe

»Lust auf Leben wecken«: Initiative des Landkreises will Schüler weg vom Bildschirm locken

Sie zimmerten ein Wildbienenhotel zusammen und errichteten einen Totholzstapel. Eine Blumenwiese und ein Barfußpfad sollen noch folgen. Viele Stunden ihrer Freizeit investierten die Walddorfhäslacher Gustav-Werner-Schüler in das Naturprojekt, das im Rahmen von »Lust auf Leben wecken – keine Bildschirme in Kinderzimmern«, einer Initiative des Landkreises Reutlingen, läuft.
Die Walddorfhäslacher Gustav-Werner-Schule ist eine der 66 Grund- und Hauptschulen im Landkreis, die sich an der Initiative des Landkreises beteiligen. Jetzt stellten die Schüler Landrat Thomas Reumann (Bildmitte) ihr selbst gezimmertes Wildbienenhotel vor.
Auch Landrat Thomas Reumann war am Donnerstag nach Walddorfhäslach gekommen, um sich das Wildbienenhotel vor Ort anzuschauen. »Das habt ihr super gemacht. Ich bin begeistert«, kommentierte er die Arbeit der Schülerinnen und Schüler der Klassen fünf und acht.
Die Initiative »Lust auf Leben wecken«, gemeinsam von Landkreis und Staatlichem Schulamt initiiert und gefördert, ist in diesem Jahr angelaufen. Nach Auskunft Reumanns machen alle 66 Grund- und Hauptschulen des Kreises Reutlingen bei diesem Projekt mit. Das erste, das jetzt öffentlich vorgestellt wurde, war das Wildbienenhotel in Walddorfhäslach.
Mit welchen Themen sie sich beschäftigen, ist den Schulen freigestellt. So kümmerte sich beispielsweise die Uhland- und Burgwegschule in Pfullingen um den Aufbau eines Brotbackofens. In Rübgarten gab es das Projekt Musikklasse und in der Metzinger Neugreuthschule Pizza- und Ton-Workshops sowie Ausflüge, organisiert von Eltern und örtlichen Vereinen.
Mit der Initiative will der Landkreis die Jugendlichen von den Bildschirmen weg locken. Nach einer Studie des Medienprofessors Christian Pfeiffer sitzen Grundschüler jeden Tag zwischen zwei und fünf Stunden vor dem Fernseher, dem PC oder Spielkonsolen. Dieses Ergebnis nahm der Kreistag im vergangenen Jahr zum Anlass, die Initiative zu starten. »Wir wollen dabei aber nicht besserwisserisch mit dem erhobenen Zeigefinger agieren, sondern den Kindern attraktive Alternativen zum Medienkonsum aufzeigen«, erklärte Reumann. Dabei müssten vor allem auch die Eltern mit ins Boot geholt werden, »denn ohne die Eltern geht gar nichts«.
Das Ganze ist auf drei Jahre angelegt. Danach will der Kreistag sehen, was die einzelnen Projekte bewirkt haben. Dazu gibt es auch Vergleichsklassen, die in dieser Zeit nicht an solchen Alternativprojekten teilnehmen.
Die Walddorfhäslacher Schüler holten die Materialien zusammen mit ihren Eltern aus dem Schönbuch. Danach setzten sie das Holz unter der Anleitung von Techniklehrer Karl Heinz Ott zu einem Wildbienenhotel und einem Totholzstapel zusammen. Beides wurde hinter der Gustav-Werner-Schule auf einer Wiese aufgebaut. Zusätzliche Materialien spendeten Walddorfhäslacher Firmen.
»Wir wollten bei dem Projekt des Landkreises unbedingt dabei sein«, meinte Schulrektor Ralf-Michael Röckel am Donnerstag. Es sei wichtig Kindern und Jugendlichen sinnvolle Freizeitbeispiele aufzuzeigen. Die Arbeit auf der Wiese und im Wald habe den Schülern gezeigt, »dass das Leben in der Natur weitaus spannender und cooler ist als das Leben vor der Mattscheibe«. Es sei die Pflicht und die Aufgabe der Erwachsenen, den Kindern den bewussten Umgang mit Medien beizubringen, aber auch Alternativen zu Computer, Facebook und Fernsehen anzubieten.
Im kommenden Frühjahr soll das Naturprojekt weitergehen. Die Gustav-Werner-Schüler werden dann eine Blumenwiese für die Wildbienen anlegen und einen Barfußpfad einrichten, um anschließend die Natur mit allen Sinnen erleben zu können. (GEA)