Alte und Kinder, das passt

Walddorfhäslacher Hauptschüler wollen über 400 Sozialstunden pro Jahr im Gustav-Werner-Stift leisten

»Ich finde das klasse. Es war schön, wie die alten Menschen strahlten, als sie die jungen Leute sahen«, freute sich Anke Baumeister von der Bruderhaus-Diakonie. Gemeint waren die 22 Schüler der Gustav-Werner-Schule, die jetzt das Seniorenzentrum in Walddorfhäslach besuchten. Die Mädchen und Jungen aus der siebten Klasse werden in Zukunft regelmäßig dort auftauchen, denn die Schule ging eine Kooperationsvereinbarung mit dem Gustav-Werner-Stift ein.

Schüler der Gustav-Werner-Schule arbeiten künftig im Seniorenzentrum in Walddorf mit. Sie wollen so über 400 Sozialstunden leisten – eine Kooperation zwischen Schule und Gustav-Werner- Stift.
Jeder der 22 Hauptschüler wird innerhalb eines Schuljahres mindestens 20 Sozialstunden in dem Senioren- und Altenpflegeheim leisten. »Das macht, sage und schreibe zusammen 440 Stunden«, rechnet Rektor Ralf-Michael Röckel vor, der stolz auf seine Mädchen und Jungs ist. Sie werden »Leben in die Bude bringen«, den alten Menschen vorlesen, für sie Botengänge und kleine Einkäufe erledigen, mit ihnen zusammen Spiele spielen, sie beim Kirchgang begleiten und vieles mehr.
»Diese Sozialstunden sind fest in unserem Schulprogramm verankert«, erklärt Röckel. Auch die Eltern tragen das Projekt mit. »Wir sind froh, dass diese Kooperation zustande gekommen ist«, bestätigt die Elternbeiratsvorsitzende Gabriele Weyl. Es sei wichtig für die Schüler, das Leben der älteren Menschen kennen zu lernen und ihre Lebensgeschichte zu hören. Zudem lernten sie bei den Sozialstunden, Verantwortung zu übernehmen.
Die Arbeit der Jugendlichen im Gustav-Werner-Stift passe sehr gut zum Motto der Schule: »Ich bin wer, ich kann was, ich werde gebraucht«, betonte Röckel. Mit den Sozialstunden wolle die Schule auch die Tradition Gustav Werners, des Begründers der Bruderhaus- Diakonie, fortsetzen, der in Walddorf von 1834 bis 1840 als Vikar gelebt und der in dieser Zeit seine erste »Kinderrettungsanstalt«, ein von christlicher Nächstenliebe geprägtes Waisenhaus, gegründet hatte.
Die Walddorfhäslacher Hauptschüler werden immer zu zweit ins Seniorenzentrum kommen. Alle wurden von Baumeister bereits auf ihre Aufgaben vorbereitet. »Natürlich müssen und dürfen die Jugendlichen keine pflegerischen Arbeiten übernehmen«, hebt die Leiterin der Altenhilfe Reutlingen-Nord der Bruderhaus-Diakonie, die das Stift in Walddorfhäslach betreibt, hervor. Sie sollen vielmehr die alten Menschen unterhalten und somit viel Abwechslung in den Alltag der Senioren bringen.
Was die Mädchen und Jungen im Stift erleben, wird nicht immer einfach sein. »Deshalb erhaltet ihr auch alle Unterstützung von uns«, verspricht Baumeister den Schülern, »und wenn ihr unsicher seid oder euch etwas bedrückt, dann kommt zu uns.«
Die Sozialstunden werden die Schüler in ihrer Freizeit ableisten. Das Projekt wird nach den Herbstferien gestartet. Wann sie ins Gustav-Werner-Stift gehen und wie lange ihr Besuch jeweils dauert, bleibt zum größten Teil den Schülern überlassen. Die 20 Sozialstunden werden dann als Zertifikat im Zeugnis auftauchen. Röckel: »Das ist wichtig für ihre späteren Bewerbungen.«
Nach drei Monaten werden sich alle noch einmal an einen Tisch setzen, um zu sehen, »was gut und was weniger gut gelaufen ist und was man noch verbessern kann«, meint Röckel. Er beneide seine Schüler, die »als Pioniere« ein neues Projekt aus der Taufe heben könnten. Und Baumeister ist sich jetzt schon sicher: »Alte Menschen und Kinder, das passt.«