So eine Woche schweißt zusammen

Walddorfhäslacher Hauptschüler bewältigten bei ihrer Klassenfahrt über 320 Kilometer mit dem Fahrrad

Es war eine besondere Klassenfahrt. Zweiundzwanzig Schülerinnen und Schüler der Gustav-Werner-Schule setzten sich kürzlich auf ihre Stahlesel und radelten von Walddorfhäslach an den Bodensee. Danach ging es einmal um das »Schwäbische Meer« herum. Neben Rektor Ralf Röckel und Lehramtsanwärterin Eva Kobilke war auch »Radprofi« Werner Bitzer aus Walddorfhäslach mit dabei, der dieses Jahr schon Tausende Kilometer quer durch Afrika geradelt ist.
Bitzer hat nun auch ausgerechnet, was die Schüler der siebten Klasse in der vergangenen Woche alles geleistet haben. Seine Statistik beeindruckt. Insgesamt bewältigten die Schüler 320 Kilometer. Sie saßen dabei rund 19 Stunden im Sattel, überwanden auf ihrer Tour 2 100 Höhenmeter und erzielten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 18 Kilometern pro Stunde.
Und es ging alles ohne größere Blessuren ab. Drei kleinere Stürze mit Schürfwunden, das war alles, was unterwegs passierte, und dreizehn Mal musste eine heruntergesprungene Kette wieder aufgezogen werden, aber das war nichts, was die Schüler hätte daran hindern können, weiter zu radeln.
Am Ende waren die Mädchen und Jungs müde, aber glücklich. »Es war ein tolles Erlebnis. Es hat viel Spaß gemacht durch die Schweiz zu fahren und durch die anderen Gegenden«, berichtete Vanessa Keipert. Und für ihre Klassenkameradin Kim Kessler war die Fahrradtour »sehr anstrengend, doch von Tag zu Tag wurde meine Laune besser, denn die Lehrer haben mich sehr gut motiviert«. Und noch etwas fand Kim gut: »So eine Woche schweißt zusammen.« Die Jungs sahen es ähnlich. Rene Heim war nach der Tour zwar auch geschafft, aber nichtsdestotrotz, »ich würde es gerne wieder machen«. Damit traf er die Meinung fast aller. Außerdem war er beeindruckt, dass »sich alle angestrengt haben und über sich hinausgewachsen sind«.
Die erste Etappe hatte die Schüler nach Sigmaringen geführt. Am nächsten Tag ging es weiter bis an den Bodensee. Die Route führte die Siebtklässler danach am Bodensee entlang in die Schweiz und nach Österreich. In Bregenz besuchten sie unter anderem die Seebühne. Und zum Abschluss konnten sich die Schüler noch einen kleinen Luxus gönnen. Sie durften zur Erholung in einem Drei-Sterne-Hotel übernachten.
Zurück ging es am nächsten Tag von Friedrichshafen aus mit dem Zug. Als die Schüler dann mit ihren Rädern die letzten Kilometer hinter sich gebracht hatten und die Schule in Walddorfhäslach erreichten, warteten schon die Eltern auf sie, mit Fähnchen, Rätschen und Ähnlichem, »eben ganz wie bei der Tour de France«. Und zur Stärkung hatten die Eltern für ihre Kinder auch noch ein Buffet vorbereitet.
»Viele Leute trauen sich am Anfang nicht zu, so eine weite Strecke zu fahren«, weiß Werner Bitzer. Doch wenn man »so etwas einmal gemacht hat, dann kommt man vom Fahrradfahren nicht mehr los. Das hat wirklich Suchtpotenzial«. Bitzer erzählte den Kindern unterwegs auch viel von seinen Erlebnissen bei der Tour durch Afrika.
Natürlich spielte die Pädagogik auch eine große Rolle bei dieser Bodenseetour. »Man lernt sich ganz anders als im Klassenzimmer kennen«, erklärt Röckel. So eine Tour mache die Kinder stark und passe sehr gut zum Motto der Hauptschule: »Ich bin wer, ich kann was und ich werde gebraucht.« (GEA)