Wie die Titanic ins Bewusstsein sinkt

Eine ganze Woche ging es an der Gustav-Werner-Schule Walddorfhäslach um das Thema Lesen

Warum ist die Titanic gesunken? Und warum konnte ein sich in der Nähe befindender Frachter dem damals größten Passagierschiff der Welt nicht helfen? Fragen, auf die die Schüler unbedingt eine Antwort wissen wollten. Und die bekamen sie. Nachdem die Kinderbuchautorin Maja Nielsen die Kinder neugierig gemacht hatte, las sie aus ihrem Buch »Titanic – Entdeckung auf dem Meeresgrund«, gestikulierte und zeigte viele Bilder. So wussten die Grundschüler am Ende, dass nicht nur viel Fahrlässigkeit, sondern auch Pech zu der Katastrophe führte.

»Bildung ist das zentrale Thema in unserer Gesellschaft und Lesen ist der Schlüssel dazu«, so Ralf Michael Röckel, Rektor der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach. Um die Faszination für die Sprache und die Motivation, ein Buch in die Hand zu nehmen und sich mit ihm zu beschäftigen, den Schülern der Grund- und Werkrealschule zu vermitteln, luden die Lehrer zum Abschluss der Frederikwoche zwei Autoren ein. Neben der studierten Schauspielerin Maja Nielsen, die Bücher für die Hör- und Sachbuchreihe »Abenteuer und Wissen« schreibt, war auch der Tübinger Schriftsteller Wolfgang Kirschner zu Gast. Neben Thrillern und Kurzgeschichten veröffentlicht er Kinder- und Jugendbücher und las Ausschnitte aus seinen Werken.
Eine ganze Woche beschäftigten sich die Grundschüler mit dem Thema Lesen, drei Tage waren es bei den Hauptschülern. »Der normale Stundenplan war außer Kraft gesetzt und das Buch stand im Mittelpunkt«, erklärte der Rektor. Jede Klasse beschäftigte sich mit gedruckten Texten und suchte sich dabei Schwerpunkte aus, die ihrem Alter und Wissensstand entsprachen. So standen bei den älteren Hauptschulklassen berufliche Texte im Vordergrund, die sie mal laut, mal leise lasen und anschließend ihren Mitschülern präsentierten. Die 5. Klasse erlernte anhand ihrer Lektüre, wie Texte zusammengefasst und Personen möglichst gut beschrieben werden, die Sechstklässler übten sich an Inhaltsangaben. Aber auch die Kinder der Grundschule beteiligten sich. Gudrun Schaal, die die Klassen 1 und 2 gemeinsam unterrichtet, wählte das Buch »Der Findefuchs« für die fünf- bis siebenjährigen Schüler aus. Jeden Tag wurde mindestens ein Kapitel gelesen und dazu Fragen in einem Lesebegleitheft beantwortet. Für die ABC-Schützen, die erst seit September die Schulbank drücken, waren die vielen Bilder zwischen den Textteilen wichtig. Die Aufgabe, laut vor den Mitschülern vorzulesen, übernahmen die erfahreneren Zweitklässler.
Passend zur Lektüre, in der eine Fuchsmutter sich um ein junges Waisentier kümmert, beschäftigten sich die Schüler mit dem Thema Fuchs. Sie bastelten eine Fuchshöhle, brachten Sachbücher zu dem Tier mit oder sogar ein echtes Fell. »Für die Kinder war das eine richtig schöne Woche«, resümierte Gudrun Schaal. Wie viel Arbeit hinter einem Buch steckt und ob man davon auch leben kann, erfuhren sie von den zwei Autoren persönlich. (tbö)