Wie ein Sechser im Lotto

Walddorfhäslach freut sich auf die neue Gemeinschaftsschule mit vollwertigem Realschulabschluss.

Die Freude in Walddorfhäslach ist groß. Die Gustav-Werner-Schule gehört zu den ersten Gemeinschaftsschulen im Land und kann damit ab dem kommenden Schuljahr auch den Realschulabschluss anbieten. »Das ist wie ein Sechser im Lotto«, meinte gestern Rektor Ralf-Michael Röckel. Für Bürgermeisterin Silke Höflinger ist es »eine Sensation« und die Elternbeiratsvorsitzende Gabriele Weyl sieht in der Gemeinschaftsschule »eine große Chance für unser Dorf und unsere Schule«.

Im Oktober hatte die Gemeinde den Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule beim Kultusministerium gestellt. Dabei ging es auch um eine Ausnahmegenehmigung, denn die Gustav-Werner-Schule ist »nur« einzügig, sprich, es gibt dort nur eine Klasse pro Jahrgang und nicht mindestens zwei, wie vom Kultusministerium eigentlich gefordert.

Dass die Walddorfhäslacher Schule gleich in der ersten Runde ausgewählt wurde, liegt vor allem an ihrem »außerordentlichen pädagogischen Konzept«. Dies war eine weitere Vorgabe der Kultusministerin und auf diesem Gebiet kann die Gustav-Werner-Schule richtig punkten. Seit Jahren finden alle Abgänger der Hauptschule eine Lehrstelle oder einen Platz in einer weiterführenden Schule. »In der Eingangsklasse der Grundschule haben wir den jahrgangsübergreifenden Unterricht eingeführt. Wir wollen damit jedem Kind die Zeit geben, die es braucht, um den Stoff zu verstehen«, berichtet Röckel. Ein weiterer Schwerpunkt des Schulkonzeptes ist die Zirkuspädagogik, die den Schülern Selbstsicherheit, Koordinationsvermögen und gemeinschaftliches Denken vermitteln soll. Die Gustav-Werner-Schule hat in den vergangenen Jahren für ihr berufsorientiertes Konzept viel Anerkennung bei der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer erfahren. Sie gewann Schulpreise und erwarb das Boris-Berufswahlsiegel. Mit der Gemeinschaftsschule »wurden wir jetzt zum ersten Mal so richtig belohnt für unsere jahrelange harte Arbeit«, betont Röckel. Das Kollegium habe viel Kraft und Zeit ins Schulkonzept investiert.

So soll es nun auch weitergehen. Allerdings kommt auf die Gustav-Werner-Schule einiges zu. »Wir wollen einen naturwissenschaftlich-technischen Zug einrichten und dabei mit Firmen und Betrieben aus diesen Bereichen kooperieren«, erläutert Röckel. Auch eine zweite Fremdsprache wird bald im Stundenplan stehen. Zudem wird die Gustav-Werner-Schule in »absehbarer Zeit« zur Ganztagesschule mit qualifizierter Betreuung und Unterricht am Nachmittag. Möglicherweise werden die Schülerzahlen steigen, denn die Gustav-Werner-Schule ist nun auch eine »Wahlschule«, das heißt, alle Eltern aus der Umgebung können ihre Kinder »ohne großen bürokratischen Aufwand« auf die Schule in Walddorfhäslach schicken. Dabei spielt auch die Landkreisgrenze keine Rolle mehr.
Dies alles wird nicht ohne neue Lehrer abgehen, weiß Rektor Röckel: »Es werden mit Sicherheit neue Kollegen dazu kommen«. Die ersten Schüler, die auf der Gustav-Werner-Schule ihren Realschulabschluss machen können, werden die kommenden Fünftklässler sein. In den nächsten Jahren wird es in der Schule noch zwei verschiedene Lehrpläne geben, einen für die Realschule und einen für die Werkrealschule. Um dies alles bewältigen zu können, ist die Gustav-Werner-Schule eine Kooperation mit dem Bildungszentrum Nord in Rommelsbach eingegangen. Die hohen Anforderungen schrecken Röckel wie auch seinen Stellvertreter Norbert Fehrle nicht: »Wir sind bereit. Wir freuen uns auf die Gemeinschaftsschule.« (GEA)