Mit dem kann man ja reden

Landtagspräsident Guido Wolf stellt sich Schülerfragen in der Gustav-Werner-Schule

»Was gefällt Ihnen an ihrem Beruf?«, will Patrick wissen. Marco interessiert sich für den Begriff »Bundesrecht bricht Landesrecht«. Und Benedikt wagt sich sogar so weit vor, den Landtagspräsidenten und CDU-Politiker Guido Wolf danach zu fragen, in welcher Partei er denn sonst noch gerne wäre. Wolf ist um keine Antwort verlegen, denn er hatte ja auch versprochen, im Rahmen des Projektes »Landtag trifft Schule« den Acht- und Neuntklässlern der Gustav-Werner-Schule Rede und Antwort zu stehen.
Der neue Landtagspräsident aus Tuttlingen findet das landesweite Projekt »interessant und so spannend«. Dies sei die große Chance, den Begriff Politik in die Schulen zu tragen, und zwar nicht die Parteipolitik, sondern die allgemeine, greifbare Politik. Es sei auch ein Versuch, junge Menschen für Politik zu interessieren. In der Vergangenheit habe er verspürt, dass gerade Jugendliche auf Distanz zu den Politikern gingen. Immer wieder sei die Rede von Vertrauensverlust. Dabei gehe es aber den Politikern nicht anders wie anderen Berufsgruppen, sie würden allgemein wegen einiger schwarzer Schafe in »Sippenhaft genommen«.
Mit dem Projekt »Landtag trifft Schule« könne man die Distanz verringern und Vertrauen wieder herstellen. Nach solchen Veranstaltungen erfahre er häufig Zuspruch. Er erhalte viele E-Mails von Schülern mit Nachfragen. Die Jugendlichen hätten anschließend ein ganz anderes Bild von Politikern, sie wüssten dann, »mit dem kann man ja reden«.
Die Nachfrage nach dem Projekt ist groß. Inzwischen gibt es schon weit über fünfzig Bewerbungen von Schulen im Land. Zu den Ersten gehört die Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach. Die Lehrer Sonja Haile und Reiner Votteler hatten mit den Schülern die Fragen vorbereitet.
Zuerst traf sich Wolf aber mit der Schulleitung und dem Kollegium der Schule. Thema war dabei natürlich die Gemeinschaftsschule, wie sich auch die Gustav-Werner-Schule ab Herbst nennen darf. Wolf spricht dabei von »Aufbruch und Erneuerung«. Und findet sofort Unterstützung bei Ralf-Michael Röckel. »Die Hauptschule, wie sie war, wird von der Gesellschaft nicht mehr gewollt. Deshalb geht die Gemeinschaftsschule in die richtige Richtung«, ist der Rektor der Gustav-Werner-Schule überzeugt.
Die Gemeinde stehe voll und ganz hinter der Schule, fügte Bürgermeisterin Silke Höflinger an. Es würden in Zukunft auch die Mittel bereitgestellt, die neue Gemeinschaftsschule um- und auszubauen, versprach sie.
Wolf betonte, dass es bei der Gemeinschaftsschule um mehr gehe, als um »parteipolitische Sperenzchen, es geht um die Zukunft junger Menschen«. Wichtig sei, dass man sich bei dem Thema auch kritischen Fragen stelle, um später für die Kinder die maximalen Chancen herauszuholen.
Von großer Bedeutung sei auch, dass die Gemeinschaftsschulen optimal ausgestattet würden, was an die Adresse von Schulrat Udo Paulus, der am Donnerstag ebenfalls in Walddorfhäslach war, gerichtet war.
Beeindruckt war Wolf von der guten Vernetzung der Gustav-Werner-Schule mit der örtlichen Wirtschaft. Wie wichtig es ist, dass die Schulen sich für Wirtschaft und Handwerk öffnen, bestätigte auch Olfert Alter vom Walddorfhäslacher Gewerbeverein. »Wir brauchen Schüler, die eine gute Bildung haben«, betonte er, deshalb brauche man gute und starke Schulen.
Und in der Diskussionsrunde mit den Schülern beantwortete Wolf schließlich alle Fragen, die gestellt wurden. An seinem Beruf gefällt ihm, »dass ich oft mit Menschen zu tun habe« und »dass man mit Politik etwas gestalten kann«.
Er erklärte ausführlich die Hierarchie von Bund, Land und Kommunen, wer hier letztlich das Sagen hat. Und in einer anderen Partei will der Landtagspräsident gar nicht sein. Er sei schon von Hause aus konservativ geprägt. Sicher sei nicht immer alles toll in seiner Partei, gab Wolf zu. Aber das stelle ja auch immer ein Anreiz dar, etwas verändern zu wollen. (GEA