Zirkus als Unterrichtsfach

Theaterspielen stärkt das Selbstbewusstsein. Das erleben Fünft- und Sechstklässler in der Walddorfhäslacher Schule

Zirkus als Unterrichtsfach. Das gibt es in der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach. Was dabei herauskommt, konnte man am Dienstagabend im Foyer der künftigen Gemeinschaftsschule sehen.
»Der traurige König« hieß die beeindruckende Inszenierung des »Zirkus Schulini«, eine gelungene Kombination aus Zirkus und Theater.
Lehrer Grischa Jauch wollte mit den Schülern der fünften und sechsten Klasse nicht einfach normale Zirkusnummern aneinander reihen, sondern bei aller Akrobatik und Jonglage auch eine Geschichte erzählen, die Geschichte vom traurigen König.
Und die geht so: Zuerst ist der König noch fröhlich. In Stadt und Land werden rauschende Feste gefeiert. Doch plötzlich ist seine Freude dahin, der König ist niedergeschlagen. Alpträume plagen ihn, nichts kann ihn mehr aufmuntern. Wissenschaft, Medizin, Therapie versagen. Und schließlich verkündet der König, dass derjenige, der ihn aus seiner Lethargie reißen kann, die bildhübsche Tochter zur Frau bekommt.
Allerlei Zirkus-Leute versuchen ihr Glück, aber erst einem der Trapez-Künstler gelingt es, den König aufzuheitern. Und wie versprochen, darf er danach auch die Königstochter zum Traualtar führen. Endlich heißt es wieder »Party, Party« im Königreich.
»Schule ist mehr als Lernen, Schule macht Spaß«, meinte Rektor Ralf-Michael Röckel mit roter Clownsnase nach der Aufführung. Und den Spaß konnte man den Schülerinnen und Schülern ansehen. Sie waren begeistert bei der Sache und zeigten teilweise erstaunliche Fähigkeiten bei Akrobatik, Jonglage, Diabolo drehen und werfen oder Einradfahren.
»Das Fach Zirkus ist in unserer Schule ein wichtiger Baustein im Unterricht«, erklärt Grischa Jauch. Es schule einerseits die Motorik, die Geschicklichkeit und Körperbeherrschung der Kinder, auf der anderen Seite fördere es vor allem auch die Gemeinschaft, den Zusammenhalt in der Klasse. Jauch: »Unser Ziel ist es immer, alle zu integrieren. Jeder ist wichtig, auch der Außenseiter blüht dabei auf. Das schweißt die Klasse zusammen.«
Für die Inszenierung hat Grischa Jauch seinen Vater Werner mit ins Boot geholt. Er ist Theaterreferent für das Land Baden-Württemberg und unterstützt viele Schülerprojekte, Theaterfestivals oder arbeitet in der Lehrerfortbildung.
Für Werner Jauch sind Unterrichtsfächer wie Zirkus oder Theater von großer Bedeutung. Diese Arbeit sei auch ein Stück Gewaltprävention oder Suchtprophylaxe. Wer Erfolg bei solchen Projekten erlebe, stärke sein Selbstwertgefühl und werde dadurch viel weniger anfällig für Gewalt oder Drogen.
In der Gustav-Werner-Schule stehen zwei Stunden Zirkus pro Woche im Stundenplan der sechsten Klasse. Das reicht aber vor einer Aufführung bei weitem nicht mehr aus. »Wir proben dann fast jeden Tag, der normale Unterricht rückt in dieser Zeit etwas in den Hintergrund. Aber das tragen hier alle mit«, erzählt Grischa Jauch. (GEA)