Zu einem Magneten entwickelt

Die Gemeinschaftsschule Walddorfhäslach startet in ihre zweites Schuljahr. Erst Skepsis, dann Akzeptanz


»Die Gustav-Werner-Schule hat ein Stück weit Zeichen gesetzt, was eine Gemeinschaftsschule leisten kann«, macht Norbert Zeller deutlich. Der Leiter der Bildungsstabstelle im Kultusministerium war gestern extra aus Stuttgart nach Walddorfhäslach gekommen, um den Start der Gemeinschaftsschule ins zweite Jahr mit zu feiern. Die anfängliche Skepsis unter den Eltern und Lehrkräften sei einer großen Akzeptanz gewichen, dieser Schultyp habe sich inzwischen zu einem richtigen Magneten entwickelt.
Dies kann man sehr gut an der Gustav-Werner-Schule beobachten. Aus der ganzen Umgebung schicken inzwischen Eltern ihre Kinder nach Walddorfhäslach. Die Schule ist in diesem Schuljahr mit 56 Fünftklässlern fest zweizügig, womit vor zwei, drei Jahren kaum jemand gerechnet hatte.
»Das erste Jahr lief gut für die Gemeinschaftsschulen«, registrierte auch der Tübinger Schulamtsleiter Udo Paulus. Allerdings habe dieses erste Jahr auch unwahrscheinlich viel Arbeit für die Lehrerkollegien bedeutet, »das hören wir durchgängig«. Im Augenblick startet die zweite Tranche der Gemeinschaftsschulen, »alle zweizügig oder mehr«. Zu ihnen gehören auch Schulen in Reutlingen und Dettingen.
Die dritte Runde ist bereits in der Planung, wie Zeller erklärt. Es gäbe wieder viele Anträge. Mit dabei sind erstmals auch Realschulen. Für ihn ist klar, »dass wir richtig entschieden haben«. Auch in anderen Bundesländern und im europäischen Ausland sehe man, wie erfolgreich die Gemeinschaftsschulen seien.
In Walddorfhäslach merke man deutlich, so Zeller, dass auch die Gemeinde mitziehe, »hier wird viel gebaut«. Zum Beispiel die Schulmensa. »Wir investieren hier gerade 1,2 Millionen Euro«, sagt Bürgermeisterin Silke Höflinger. Die Millionen fließen allerdings nicht nur in die neue Mensa, die bis zum Frühsommer 2014 fertig sein soll. Es entstehen auch neue Schulräume, beispielsweise für Natur, Wissenschaft und Technik (NWT).
Auch die Verkehrssituation rund um die Schule soll im Herbst neu bewertet werden, erklärt Höflinger. »Wir müssen sehen, wie wir das besser lösen können.« Denn bei den engen Straßen rund um die Schulgebäude gibt es immer wieder Probleme mit Schulbus und den Fahrzeugen der Eltern, die ihre Kinder von außerhalb zur Schule bringen.
»Ich freue mich, dass die Schule einen so großen Zuspruch findet«, erklärt Höflinger. Die ganzen Investitionen, die sich mit der energetischen Sanierung der Schulgebäude auf über zwei Millionen Euro summieren werden, seien nur wegen der derzeitig guten Finanzlage der Gemeinde möglich. Höflinger: »Wir haben eine sehr gute Ausgabendisziplin.« Allerdings wurde im Haushalt auch umdisponiert, die Gemeinschaftsschule hat im Augenblick Vorrang.
»Unser Konzept beruht auf Stärkung und Entfaltung der Persönlichkeit jedes Kindes«, betont Rektor Ralf-Michael Röckel, der nach Auffassung Zellers maßgeblich am Erfolg der Gustav-Werner-Schule beteiligt ist. Gemeinsam mit den Kindern Schule gestalten bedeute, sich auf persönliche Lernwege der Kinder einzulassen. Dafür brauche es genügend Zeit und eine Lernkultur, die dem Austausch der Kinder Raum gebe und sie individuell fördere, so Röckel weiter.
In der Walddorfhäslacher Gemeinschaftsschule werden die Schüler nach der vierten Klasse nicht mehr getrennt, sie lernen bis zur zehnten Klasse gemeinsam. »Schüler arbeiten mehr als bisher in Lerngruppen und werden mit speziell auf sie zugeschnittenen Lernplänen individuell gefördert. Der Klassenverband spielt eine untergeordnete Rolle«, erläuterte Röckel gestern. (GEA)