Unterricht für Generationen

Karl-Heinz Ott war 40 Jahre lang Sport- und Techniklehrer an der Gustav-Werner-Schule in Walddorf

Die Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach hat sich in den vergangenen 40 Jahren sehr verändert. Von der kleinen Dorfschule mit kleinen Klassen und nur einem Gebäude wurde sie zur erfolgreichen Gemeinschaftsschule, die schon wieder einen Erweiterungsbau braucht, um nicht aus allen Nähten zu platzen. Die ganze Entwicklung hat Technik- und Sportlehrer Karl-Heinz Ott mitgemacht. 40 Jahre hat er als Lehrer an der Gustav-Werner-Schule gearbeitet, jetzt geht er in den Ruhestand.

Wer so lange an einer Schule unterrichtet hat, der kann viele Geschichten erzählen. »Es war meine erste Dienststelle nach dem Studium«, berichtet Ott. Eine richtige Sporthalle gab es 1975 in Walddorfhäslach noch nicht, »wir sind einen Kilometer in die Alte Turnhalle gelaufen«, eine Halle »mit Holzofen und Plumpsklo«.

»Im Fach Technik fehlten Lehrpläne«, erinnert sich Ott. Der Technikraum verfügte neben normalem Werkzeug nur über eine Bohrmaschine. »Wir haben damals halt mit Holzverbindungen angefangen.« Für die Weiterbildung hat sich Ott freiwillig mit Techniklehrern aus Pliezhausen, Dettenhausen, Reutlingen, Pfullingen und Pfrondorf getroffen. Was der eine mehr wusste, hat er dem anderen beigebracht, »wir sind langsam in den Technik-Unterricht hineingewachsen«.

»Die Betriebe haben immer gerne unsere Schüler genommen«.Die Zeiten haben sich gewaltig verändert. Das sieht man heute vor allem auch am Werkzeug-Inventar. So sind inzwischen im Unterricht auch computergesteuerte Maschinen im Einsatz.

Und noch etwas hat sich im Laufe der Zeit verändert. In den 1970er-Jahren arbeitete Ott im Technik-Unterricht nur mit Buben zusammen, »die Mädchen gingen in die Hauswirtschaft«. Erst vor 25 Jahren wurden die Klassen gemischt.

Ott hat unzählige Schüler und Schülerinnen unterrichtet. Und inzwischen sogar deren Kinder. Und auch deren Kinder. »Bei einer Familie habe ich jetzt sogar schon die Enkelkinder im Unterricht gehabt«, weiß Ott.

Der gebürtige Tübinger, Jahrgang 1951, begann mit seinem Unterricht noch im sogenannten Altbau der Gustav-Werner-Schule. Erst später kam der Mittelbau und später dann der Neubau dazu. In diesen Jahren entwickelte sich Ott zum »Kellerkind«, wie er sagt. Der Technikraum wanderte ins Untergeschoss.

Und dort wurde immer kräftig geschraubt, gebohrt, gesägt und gefräst, auch für die Schule selbst. »Wir haben zum Beispiel Computermöbel, Fernsehwagen oder viele Regale gebaut. Wenn wir durchs Haus liefen, fanden wir überall etwas, was es lohnte, herzustellen«, ist Ott heute noch ein wenig stolz auf das, was er zusammen mit seinen Schülern zustande gebracht hat.

Viele Requisiten für die Zirkus-Theater-Aufführungen der Schule stammen ebenfalls aus seinem Unterricht. Und dann die Seifenkisten-Geschichte. Der Gewerbeverein veranstaltete 2007 ein Seifenkistenrennen in Walddorf. Die Gustav-Werner-Schule war mit ihren Rennkisten mit von der Partie. Die Flitzer aus Holz wurden unter Otts Anleitung von den Schülern zusammengebaut. Jedes Team hatte einen Sponsor fürs Material, bei der Gustav-Werner-Schule war es Volker Stähle, Rechtsanwalt und Vorsitzender des Gewerbevereins.

Der Seifenkistenbau gehörte zum »erweiterten Bildungsangebot«. Und dafür opferte Ott zusammen mit den Schülern viel Freizeit, vor allem samstags. Aber es lohnte sich: »Wir sind beim esrsten Rennen sogar Zweiter geworden«.

Auch eine richtige Modelleisenbahn hat Ott mit seinen Schülern geschaffen. Sie haben dafür computergesteuerte Kippvorrichtungen und Ampelanlagen gebaut. Der Technikunterricht spielte in der Gustav-Werner-Schule immer eine besondere Rolle. Die Rektoren Manfred Klein und Ralf Michael Röckel hätten viel in das Fach Technik investiert, »sie haben uns viele Wünsche erfüllt«, betont Karl–Heinz Ott.

Die Vorteile einer berufsorientierten Schule, die auch viele Praktika organisiert, zeigten sich für die Schüler dann, wenn sie nach Abschluss der Schule ins erste Lehrjahr kamen. »Sie haben sich gerade in den technischen Berufen viel leichter getan. Und die Betriebe haben immer gerne unsere Walddorfhäslacher Schüler genommen.«

Auch in der heutigen Gemeinschaftsschule wird der Technikzug beibehalten; das praktische, handwerkliche Arbeiten blieb und bleibt Bestandteil des Unterrichts.

Wichtig war für Ott immer die Sicherheit, »die lag an erster Stelle«. Und deshalb standen immer vier Stunden mit »Sicherheit am Arbeitsplatz« im Unterrichtsplan.

Ott konnte auch mal streng werden, wenn die Jungs anfingen »herumzububeln«. Der Blick auf die Sicherheit hat sich ausgezahlt, »bei mir hat sich noch kein Schüler ernsthaft verletzt«.

Und wie haben sich die Schüler verändert? »Sie sind nicht einfacher geworden«, sagt Ott. Es brauche heute mehr Zeit als früher, die Schüler zu disziplinieren, egal ob Mädchen oder Jungs. Aber auch das hat den Spaß, den er an seinem Beruf hatte, nicht beeinflusst, »ich bin zu 99 Prozent immer gerne in die Schule gegangen«. (GEA)