Das Leben von Martin Luther

Musik – Walddorfhäslacher Grundschulchöre zeigten Musical.

Chorleiterin Gudrun Schaal geht in den Ruhestand

VON VEIT MÜLLER

WALDDORFHÄSLACH. Spannung versprach Rektor Ralf Röckel, und musikalische Höhepunkte. Mit beidem hatte er recht. Das Musical über das Leben des Reformators, wortgewandten Predigers und Familienvaters Martin Luther, das die Walddorfhäslacher Grundschulchöre am Dienstag in der vollen Gemeindehalle aufführten, war großartig. Hunderte Zuschauer waren gekommen, und sie zeigten sich begeistert von dem, was die Kinder ihnen präsentierten.

Aber es schwang auch ein wenig Wehmut mit, denn es war die letzte Produktion von Chorleiterin Gudrun Schaal. Fast 29 Jahre war sie an der Gustav-Werner-Schule. Vom ersten Jahr an widmete sich die Grundschullehrerin den Chören an ihrer Schule. »Ich mag einfach Musik«, erklärt sie einfach und prägnant.

Man erlebe die Kinder ganz anders, wenn man mit ihnen ein gemeinsames Ziel, die Aufführung am Schuljahresende, ansteuere, und dabei auch mal eine Durststrecke zusammen überwinden müsse. Die große Aufführung am Schluss brauche es dann unbedingt, denn »wir wollten ja auch immer eine Botschaft rüberbringen«, erzählt Gudrun Schaal.

Und so gab es mit den Grundschulchören der Römerweg- und Gustav-Werner-Schule, die inzwischen eine erfolgreiche Gemeinschaftsschule ist, auch immer Produktionen zu aktuellen Themen. So spielten beispielsweise Migration oder auch die Umwelt schon als Themen eine wichtige Rolle oder eben jetzt Martin Luther.

Gudrun Schaal suchte sich mit ihrer Kollegin und designierten Nachfolgerin Veronika Kuhn das Musical, das der Pfarrer und Buchautor Heiko Bräuning verfasst hat, aus. »Martin Luther: Das Musical« erzählt in kleinen Episoden das Leben des Reformators.

»Wir wollten auch immer eine Botschaft rüberbringen«

Es beginnt damit, dass Martin Luther mit seiner Familie beim Abendessen an einer großen Tafel sitzt. Er sieht sich vielen neugierigen Fragen seines Nachwuchses zu seiner Vergangenheit ausgesetzt.

Zuerst berichtet er seiner Frau und seinen Kindern davon, wie er in Erfurt Jura studierte, das Studium dann aber hingeworfen hat. Weiter schildert er sein Leben als Mönch und beschreibt, wie er zum Papstkritiker wurde.

Er regte sich über den Ablasshändler Johann Tetzel auf, der den Leuten nur das Geld aus der Tasche habe ziehen wollte. Luther brachte die Papstkritik eine Verurteilung zum sogenannten Vogelfreien ein. Das bedeutete damals eine Ächtung. Und diese beinhaltete auch, dass Verurteilten keine Behausung gewährt wurde. Ihre Leiche wurde nicht bestattet, sondern den Vögeln zum Fraß überlassen.

Der sächsische Kurfürst Friedrich der Dritte stellte sich aber an seine Seite und rettete Luther, indem er ihn als Junker Jörg auf die Wartburg brachte. Dort übersetzte der Reformator die Bibel ins Deutsche, die danach zum «Bestseller« wurde.

Diese einzelnen Erzählungen werden bei der Aufführung in der Walddorfhäslacher Gemeindehalle auf einer Seitenbühne in wunderschönen, von den Müttern der Kinder geschneiderten Kostümen ausgespielt. Dazwischen bringt der riesige Grundschulchor viel Schwung in die Handlung.

Für Gudrun Schaal war dies sicher kein leichtes Unterfangen, denn sie musste über 70 Kinder unter einen Hut bringen. Dies gelang ihr sichtlich aber sehr gut, denn die Kleinen waren mit Begeisterung und auch sehr stimmgewaltig dabei.

Nach der Aufführung, die den Mädchen und Jungen viel und lang anhaltenden Applaus einbrachte, sangen die Kinder noch ein Abschiedslied für ihre Chorleiterin. Von jedem Kind erhielt sie zudem eine Rose. Und wenn man genau hinsah, konnte man auch die feuchten Augen der Grundschullehrerin entdecken. »Ja, es ist schon Wehmut dabei, wenn man nach so vielen Jahren mit den Chorkindern nun in den Ruhestand geht«, gestand Gudrun Schaal. Aber sie freut sich jetzt auch auf die freie Zeit, die sie nun für ihre Familie und die vier Enkelkinder hat. (GEA)