Norbert Fehrle geht nach 29 Jahre in Walddorfhäslach in den Ruhestand

Er hat die Gemeinschaftsschule in Walddorfhäslach maßgeblich mitgeprägt, Konrektor Norbert Fehrle. Für ihn waren die vergangenen sechs Jahre die „spannendste Zeit“ in seiner Schullaufbahn. Über 40 Jahre war er im Schuldienst, mehr als 29 Jahre davon an der Gustav-Werner-Schule in Walddorfhäslach. Bürgermeisterin Silke Höflinger nennt ihn deshalb einen „absoluten Stabilitätsfaktor“, Rektor Ralf-Michael Röckel einen „Glücksfall für uns“. Jetzt geht Fehrle in den Ruhestand und zieht ein Fazit.

„Es war wie ein Sechser im Lotto“, erinnert sich Fehrle an den Augenblick, als die Nachricht kam, die Gustav-Werner-Schule wird zur Gemeinschaftsschule. Damals hatte die kleine Hauptschule im Unteramt einen schweren Stand. Obwohl sie recht erfolgreich war: Röckel und Fehrle legten immer schon viel Wert auf Praxisorientierung und schlossen mit rund 100 Betrieben in der Umgebung Bildungspartnerschaften ab, um den Schülern vielfältige Praktika zu ermöglichen.

Alle Hauptschulabgänger fanden damals einen Ausbildungsplatz oder gingen weiter auf eine Berufsfachschule. „Niemand musste in ein Berufsvorbereitungsjahr“, erzählt Fehrle.

„Wir haben aber von Jahr zu Jahr gesehen, dass die Hauptschule in der Wirtschaft immer weniger akzeptiert war“, sagt Fehrle im Rückblick. „Obwohl die Vorbereitung gut war, wurde es immer schwieriger die Hauptschüler in ihren Wunschberufen unterzubringen.“ Ein Schlüsselerlebnis für ihn war, als Schülerinnen und Schüler der Gustav-Werner-Schule von Friseurbetrieben abgelehnt wurden, weil dort die Mittlere Reife gefordert wurde.

Schon damals habe die Politik die Hauptschule aufwerten wollen, doch „es wurde immer nur geredet und wir haben hier in der Schule nichts davon gespürt“. Deshalb sei schon damals „der Wunsch gewachsen, dass wir hier die Mittlere Reife anbieten können“. Der erste Schritt, die Werkrealschule, „hat aber nicht so richtig geklappt“.

„Der Startschuss für uns kam dann, als Rot-Grün gewählt wurde. Jetzt gab es die Möglichkeit eine Gemeinschaftsschule zu gründen und neben dem Hauptschulabschluss eine echte Mittlere Reife anzubieten“, erklärt Fehrle. Es sei eine Initialzündung gewesen. Die Walddorfhäslacher nahmen die Chance war und aus der Gustav-Werner-Schule wurde eine der ersten Gemeinschaftsschulen im Land.

Fehrle habe ganz viel Struktur in die Schule gebracht und akribische Aufbauarbeit geleistet, um den Rahmen für die Gemeinschaftsschule zu schaffen und die Kolleginnen und Kollegen besser in die neue Schulart einweisen zu können, beschreibt Rektor Röckel seinen Stellvertreter. Für Fehrle selbst war es „die beste Zeit in meiner Arbeitszeit“. Es sei die große Möglichkeit gewesen, „hier etwas zu gestalten, zu formen und dann zu sehen, dass es Früchte trägt“.

Es sei ihm vorher immer schwergefallen, schwächeren Schülern schlechte Noten zu geben, meint Fehrle, denn er habe noch nie erlebt, dass schlechte Noten Schüler motivierten. Mit dem neuen dreistufigen System der Bewertungen in der Gemeinschaftsschule, mit einer Schule ohne Noten, habe man eine „ganz tolle Lösung“ gefunden, um eine andere Rückmeldung zu entwickeln und so die Schüler individuell besser fördern zu können.

Bildimpressionen von der Verabschiedungsfeier: