Fairer Handel – Die GWG wird zur „Fair Trade School“

Fairer Handel – Walddorfhäslacher Gemeinschaftsschule will als eine der ersten Schulen im Kreis Reutlingen zur „Fair Trade School“ werden.
Kampagne für Nachhaltigkeit

VON VEIT MÜLLER

WALDDORFHÄSLACH. Morgens in der ersten großen Pause stellen die Schülerinnen und Schüler der Gustav-Werner-Gemeinschaftsschule Tische auf und legen Waren aus: Schokoriegel, Waffeln, Knuspermais, sogar Kaffee. Fair Trade lautet das Motto, alles, was es an dem Stand zu kaufen gibt, ist fair gehandelt. Es ist Teil eines Projektes, das aus dem Ethik-Unterricht heraus entstanden ist. Die Walddorfhäslacher Schule will damit zur „Fair Trade School“ werden, neben dem Reutlinger Friedrich-List-Gymnasium die erste im Kreis Reutlingen.

„Wir haben in der Klasse 7 im Unterricht das Thema ‚Fair Trade‘ behandelt, erzählt Ethik-Lehrerin Nalan Sökmen. Die Schülerinnen und Schüler hätten sofort Gefallen an dem Thema gefunden, hätten „sehr viel diskutiert“ und „waren erschrocken, dass Kinder in ihrem Alter in den Schwellenländern schon arbeiten müssen, um ihre Familien zu unterstützen“.

Weil die Klasse so interessiert an dem Thema war, recherchierte Nalan Sökmen weiter im Internet und stieß dabei auf die Kampagne „Fair Trade Schools“, initiiert vom Kölner Verein Trans Fair und gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Sie stellte das Projekt den Schülern vor und die „waren begeistert“. Auch bei Rektor Ralf Michael Röckel rannte Nalan Sökmen damit offene Türen ein.

So einfach ist es allerdings nicht, eine „Fair Trade School“ zu werden. Es müssen fünf Kriterien erfüllt werden. „Wir mussten zuerst ein festes Team gründen“, berichtete Nalan Sökmen. Schließlich soll das Projekt nachhaltig aufgestellt werden. Die erste Hürde wurde aber schnell gemeistert, nicht zuletzt weil mit Tanja Schacherbauer und Annette Hartung auch der Elternbeirat mit zum Team aus Lehrern und Schülern stieß.

Danach ging es darum, in welcher Form und mit welchen Waren das Projekt unterstützt und dokumentiert wird. Ebenso wichtig ist es, dass das Thema „Fair Trade“ in mindestens drei Unterrichtsfächern an der Schule vorkommt. In Walddorfhäslach sind das die Fächer AES (Alltagskultur, Ernährung, Soziales), Geografie und Ethik.

Schließlich ging es beim vierten Kriterium um den Verkauf von fair gehandelten Produkten. Nalan Sökmen nahm Kontakt mit dem Reutlinger Weltladen auf. Von dort bezieht die Schule jetzt die Waren. „Wir haben vorher eine Umfrage gestartet, was gut angenommen würde und dann eine kleine Auswahl getroffen“.

Das fünfte Kriterium für die „Fair Trade School“: „Es sollen auch Aktionen an der Schule durchgeführt werden“, erklärt die Lehrerin. Sie könnte sich ein Fußballturnier vorstellen mit fair gehandelten Bällen. Oder eine Ausstellung darüber, wie Schokolade hergestellt wird. Sökmen: „Wir wollen dafür sorgen, dass das Thema Fair Trade nach außen getragen wird.“

„Wir freuen uns, dass sich die Schule des Themas annimmt“, fügte Bürgermeisterin Silke Höflinger am Mittwoch hinzu. Gestern begann der Verkauf der fair gehandelten Produkte. In der Gemeindeverwaltung sei Fair Trade bereits Standard, betonte Höflinger, „alles, was wir brauchen, schaffen wir unter diesem Aspekt an“. Fair Trade sei Teil der Zertifizierung der Gemeinde zum European Energy Award (EEA) und passe sehr gut zum „50/50“-Projekt, bei dem es um Klimaschutz Nachhaltigkeit geht. (GEA)